Marathon-DM nicht in Neustadt

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 16. Juni 2020

Mountainbike

Am 26. September startet der Mountainbike-Nachwuchs an der Hochfirstschanze und tags darauf sind die Langstreckler dran.

. Simon Stiebjahn kommt gerade von einem langen und anstrengenden Training zurück. Fünfeinhalb Stunden war der Profi mit dem Mountainbike unterwegs, 2500 Höhenmeter kamen zusammen. Das Wochenende war auch vollgepackt mit Training – morgens Laufen, abends Rad – dazwischen zogen sich alle, die beim Singer Wäldercup in Titisee-Neustadt an der Strecke bauen und sie instandhalten, den Motorsägen-Grundlehrgang, Modul A, rein. Ja, Simon Stiebjahn ist vielbeschäftigt, der Mountainbikeprofi ist zudem Organisator und Vereinsvorsitzender. Zusammen mit Markus Bauer und der eigens gegründeten Agentur SMT Sports&Events sowie dem RSV Hochschwarzwald, dem Stiebjahn vorsteht, richtet der 30-Jährige alljährlich die Mountainbikerennen rund um die Hochfirstschanze im Schmiedsbachtal mit viel Schwung und frischen Ideen aus.

2022 sollen rund um die Neustädter Großschanze die deutschen Marathonmeister ermittelt werden. Da die Langstrecken-Meisterschaft im April in Heubach Corona-bedingt ausgefallen war, hatte Stiebjahn dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) angeboten, die DM im Herbst ebenfalls hier in Titisee-Neustadt auszurichten: "Wir haben den Finger gehoben, falls sie keinen anderen Ausrichter finden." Klar war jedoch, dass in diesem Jahr kein finanzieller Spielraum für die fällige DM-Lizenzgebühr in Höhe von 6000 Euro an den BDR besteht (im Jahr 2022 wird die Gebühr von der Stadt übernommen). "Uns sind wegen der Corona-Krise zwei Sponsoren weggebrochen, dafür haben wir Verständnis, deshalb können wir aber das Geld nicht aufbringen." Ein anderer Ausrichter hat signalisiert, die Lizenzgebühr zu entrichten, deshalb hat der nationale Verband den Organisatoren im Hochschwarzwald abgesagt – die Marathonmeister werden im Herbst anderswo gekürt. "Da dem Verband in diesem Jahr viele Einnahmen weggebrochen sind, war der finanzielle Aspekt sicher ein Entscheidungskriterium für den BDR", vermutet Stiebjahn.

Mountainbikesport wird am 26. und 27. September – Stand jetzt – dennoch rund um die Hochfirstschanze zu sehen sein. "Wir fokussieren uns auf zwei Sachen", sagt der Langenordnacher. Der Samstag ist für die Nachwuchsrennen (eine MTB-Cup-Serienwertung kommt dieses Jahr nicht zustande) reserviert. 250 Kinder und Jugendliche in den Klassen U 9 bis U 19 werden erwartet.

Entzerrter Zeitplan für den Nachwuchs

"Wir haben den Zeitplan umstrukturiert und stark auseinandergezogen, damit die Menschenansammlungen unter der vom 1. August an gültigen Grenze von 499 Personen bleiben", sagt Stiebjahn. Morgens duellieren sich auf den technisch wie physisch anspruchsvollen Strecken die Jugendlichen U 19 und U 17. Anschließend ist Siegerehrung und eine Pause. Am Nachmittag sind die jüngeren Klassen (U 9 bis U 15) dran, immer wieder unterbrochen durch Siegerehrungen, um das punktuelle Menschenaufkommen in Grenzen zu halten.

Der Sonntag ist Marathontag. Drei Strecken stehen beim Trail Hype zur Auswahl: 20, 30 und 60 Kilometer. "Auf der 30-Kilometer-Runde haben wir mit Blick auf die DM im Jahr 2022 zwei, drei kleine Änderungen vorgenommen. Das sind Schritte hin zur DM-Marathonstrecke", sagt Stiebjahn. Im nächsten Jahr soll noch ein neun Kilometer langes Streckenstück Richtung Lenzkirch dazukommen, denn für die Meisterschaftsrennen muss die Distanz bei rund 80 Kilometern liegen (2 x 40 km).

Das internationale Bundesligarennen, das in den vergangenen Jahren immer ein zentraler Bestandteil der Mountainbike-Veranstaltung in Titisee-Neustadt war, entfällt ersatzlos. "Da wir nicht wissen, wie sich die internationalen Reisebeschränkungen entwickeln und wir andererseits Planungssicherheit haben müssen, haben wir uns aus organisatorischen Gründen gegen das Cross-Country-Bundesligarennen mit internationaler Beteiligung entschieden", sagt Stiebjahn.

In den vergangenen Jahren haben Stiebjahn, Bauer und die fleißigen Helfer viel an der Struktur gearbeitet, "dass irgendwann die Arbeit weniger und die Organisation etwas entspannter wird". Diesen Plan hat das Coronavirus zumindest vorerst durchkreuzt. "Durch Corona hatten wir eher mehr Arbeit, weil wir uns immer wieder auf neuen Verordnungen einstellen mussten", sagt Stiebjahn, "wir können aber froh sein, dass wir eine Freiluft-Sportart sind und wir sind unseren Sponsoren sehr dankbar, dass sie auch in dieser schwierigen Zeit an unserer Seite stehen". Das Ziel sei, die Veranstaltung im September mit einer gewissen Lockerheit, "aber ohne irgendwelche Risiken" hinzubekommen.

Vorläufiger Zeitplan für die MTB-Rennen am 26./27. September, Nachwuchsrennen am Samstag: 9 Uhr: U 17 weiblich und U 19 weiblich; 10 Uhr: U 17 männlich und U 19 männlich; 11 Uhr Siegerehrung; 12 Uhr: U 15 männlich; 12.40 Uhr: U 15 und U 13 weiblich; 13.20 Uhr: U 13 männlich; 13.45 Uhr: Siegerehrung U 15 und U 13; 15 Uhr: U 11 männlich; 15.25 Uhr: U 11 weiblich; 15.50 Uhr: U 9 männlich; 16 Uhr: U 9 weiblich; 16.15 Uhr: Siegerehrung U 11 und U 19. Trail Hype am Sonntag, 10.30 Uhr: 60 Kilometer; 10.40 Uhr: 30 Kilometer; 10.50 Uhr: 20 Kilometer.