Finanzen

Maschinenbauer Zahoransky bietet Angestellten Anteile am Unternehmen an

Marie Schneider

Von Marie Schneider

Mi, 14. April 2021 um 08:46 Uhr

Wirtschaft

Nicht nur Startups und Technologieunternehmer bieten Beschäftigten Aktienbeteiligungen. In Zeiten der Nullzinspolitik winken lukrative Renditen für beide Seiten. So auch bei Zahoransky in Todtnau.

Zahoransky sei ein sehr soziales Unternehmen, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Zahoransky, der das 1902 gegründete Familienunternehmen aus Todtnau in dritter Generation leitet. In Zeiten von Negativzinsen wolle es seinen Mitarbeitern deshalb die Möglichkeit geben, in das Unternehmen zu investieren, das sie am besten kennen – also jenes, für das sie arbeiten. Ende 2020 führte der Maschinenbauer wieder eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung ein.

Seit Dezember können die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis zu stillen Gesellschaftern des Unternehmens werden, indem sie Geld in die Firma einbringen. Fünf Jahre lang bleibt diese Beteiligung dann mindestens bestehen, bevor sie von beiden Seiten gekündigt und ausgezahlt werden kann. Die Verzinsung erfolgt jährlich und hängt vom Jahresergebnis der Firma ab. "Die Zinsen werden etwas gedämpft. Wenn wir beispielsweise acht Prozent Gewinn machen, bekommen die Mitarbeiter sechs Prozent. Wenn wir vier Prozent im Minus sind, werden es für die Mitarbeiter etwa zwei Prozent Minus", sagt Zahoransky.
Hintergrund: In Deutschland gibt es 1,3 Millionen Menschen, die Aktienanteile an dem Unternehmen halten, für das sie selbst arbeiten. Und das Investment lohnt sich, laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts, des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung und der Unternehmensberatung Hkp kommen 87 Prozent der Aktienpläne für Belegschaftsaktionäre über zehn Jahre im Schnitt auf eine jährliche Rendite von mindestens fünf Prozent. Die Hälfte der Pläne erreichen mehr als elf Prozent Rendite pro Jahr.

Mehr zum Thema: Ein lukratives Investment

Bisher haben seinen Angaben nach etwa 85 Prozent der rund 600 Mitarbeiter in Deutschland das Angebot angenommen. Der Vorstand hatte sich jedoch mehr Beteiligung erhofft. "Wir schenken jedem 360 Euro. Ich verstehe nicht, warum manche das nicht annehmen", sagt Zahoransky. "In 95 Prozent aller Fälle gibt das Unternehmen seinen Mitarbeitern, die eine Einlage machen, auch eine Zulage", erklärt Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung – AGP in Kassel. Diese liege bei etwa 300 Euro. Bis zu 360 Euro bleibt der Arbeitgeberzuschuss an der Beteiligung in Deutschland nämlich steuerfrei.

Nach Schätzungen des Verbandes bieten etwa 3000 bis 3500 Unternehmen in Deutschland Mitarbeiterbeteiligungen an. Rund zwei Millionen Arbeitnehmer hielten Belegschaftsaktien oder seien als stille Gesellschafter mit von der Partie. "Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung geht in seinen Schätzungen bislang von 1,8 bis zwei Prozent der deutschen Arbeitnehmer aus, die solche Beteiligungen halten", sagt Beyer.

Steuerliche Vorteile

Dies dürfte am hierzulande sehr niedrigen steuerlichen Freibetrag für die Beteiligungen liegen. In Großbritannien gibt es bis zu 3500 Euro jährlich Steuerfreiheit, in Österreich bis zu 4500 Euro pro Jahr und in Spanien liegt der Betrag sogar bei 12.000 Euro. Die Bundesregierung hat reagiert. Ein Gesetzentwurf, der am 1. Juli in Kraft treten könnte, sieht eine Erhöhung des steuerfreien Höchstbetrags auf mindestens 720 Euro vor. Dies soll es vor allem Start-ups erleichtern, Kapital von ihren Mitarbeitern zu bekommen. Im internationalen Vergleich ist dies jedoch noch immer wenig: "In anderen Ländern, zum Beispiel in den USA, denkt man ganz anders über die Beteiligungen von Mitarbeitern an Unternehmen und die Förderung ist steuerlich deutlich attraktiver als in Deutschland. Dort gibt es weniger das Rentensystem aus der Sozialkasse. Stattdessen sind in den USA die Mitarbeiterbeteiligungen ein relevanter Baustein der Altersversorgung", sagt Matthias Helke, Steuerberater und Partner bei der Sozietät Flick Gocke Schaumburg in Stuttgart. Deutschland habe eine andere Philosophie in der Frage der Mitarbeiterbeteiligung und eine wenig ausgeprägte Aktienkultur. "Ich habe den Eindruck, dass eine Unternehmensbeteiligung bei uns eher als Risiko gesehen wird statt als Chance", sagt Helke.

Zahoransky will die Mitarbeiter stärker binden

Dabei seien Beteiligungen für Mitarbeiter eine Möglichkeit, am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben. Die Beschäftigten könnten einfacher gewonnen und an das Unternehmen gebunden werden. Außerdem gebe es die Auffassung, dass beteiligte Arbeitnehmer mehr Einsatz zeigten, da sie Geld im Unternehmen angelegt haben. "Aber natürlich gibt es auch das Risiko, dass bei einer Insolvenz des Unternehmens das gesamte Geld weg ist", sagt Helke.

Zahoransky erhofft sich, mit der Mitarbeiterkapitalbeteiligung "das Engagement und das unternehmerische Denken der Mitarbeiter zu fördern und ihre Bindung an das Unternehmen zu stärken".

Der Betriebsrat begrüßt das neue Angebot: "Es ist eine tolle Sache, dass Zahoransky den Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, Kapital in unser Unternehmen einzubringen und wir durch die attraktive Verzinsung am gemeinsam erarbeiteten Erfolg teilhaben können", sagt Alexander Naujoks, Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Bereits in den 1980er Jahren gab es für die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich finanziell bei Zahoransky zu engagieren. 2002 stoppte das Unternehmen jedoch aufgrund einer "unvorteilhaften Steuerregelung" dieses Angebot: "Die Steuergesetzgebung war so geregelt, dass man sofort das Geld versteuern musste, über das man erst fünf Jahre später verfügen konnte. Das hat natürlich überhaupt keinen Anreiz", sagt Zahoransky. Der Freibetrag von 360 Euro mache die Beteiligung nun zumindest wieder etwas attraktiver für mittelständische Unternehmen.

Bisher hätten die Mitarbeiter kein Geld zu dem von Zahoransky geschenkten Betrag hinzu investieren können. "Ab Juni werden wir Angebote rausgeben, zum Beispiel: Wenn ein Mitarbeiter 500 Euro investiert, bekommt er 180 Euro von Zahoransky dazu. Dann wird hoffentlich mehr Geld von den Mitarbeitern dazukommen", sagt der Vorstand. Eine Umfrage habe ergeben, dass die Beschäftigten bereit seien, durchschnittlich 800 Euro pro Jahr zu investieren.