Maskenpflicht bringt auch Probleme

Susann Duygu-D’Souza und Nico Talenta

Von Susann Duygu-D’Souza & Nico Talenta

Di, 20. Oktober 2020

Waldshut-Tiengen

Der erste Tag an den Schulen im Kreis lief gut / Schwerhörige können allerdings nicht mehr von den Lippen lesen.

. Am vergangenen Donnerstag wurde in Baden-Württemberg die Grenze von 35 Covid-19-Ansteckungen je 100 000 Einwohner überschritten. Um weitere Ansteckungen zu verhindern, gilt seit dem gestrigen Montag unter anderem an allen Schulen in Baden-Württemberg Maskenpflicht. Wir haben bei Schulen und Schülern nachgefragt, was sie von dieser Maßnahmen halten.

Generell herrscht Verständnis bei allen Befragten. Thomas Gehr, Rektor der Justus-von Liebig-Schule in Waldshut: "Ich halte die Maßnahme für sehr positiv. Schließlich geht es ja darum, den Präsenzunterricht an den Schulen zu lange wie möglich oder im besten Fall durchgehend gewährleisten zu können. Bei der Menge an Schülern bei uns ist das Tragen der Masken ein zumutbarer Kompromiss." Sowohl Schüler als auch Lehrer würden sich an der Justus-von Liebig-Schule sehr diszipliniert an die neue Vorgabe halten. "Aber es ist natürlich sehr anstrengend für alle, die Maske rund um die Uhr zu tragen", sagt Gehr.

Ein großes Problem ist allerdings an der Justus-von-Liebig-Schule, die Inklusionsschule ist, dass schwerhörige Schüler, die von den Lippen der Lehrer ablesen, dies nun nicht mehr können. "Wir stehen bereits im Kontakt mit dem Kultusministerium, um eine Lösung hierfür zu finden. Denkbar wären beispielsweise Plexiglasscheiben am Lehrerpult oder auch ein Plastik-Mundschutz. Allerdings wäre das natürlich zu den üblichen Mund-Nasen-Schutz nur ein Kompromiss, weil die Aerosole ja durch das Gewebe der Masken gefiltert werden und ein Plastik-Mundschutz nur eine Art Spuckschutz ist. Aber hier arbeiten wir an einer Lösung", sagt Thomas Gehr.

Stefan Ruppaner, Schulleiter der Alemannenschule in Wutöschingen: "Das Tragen von Masken im Unterricht muss eine Übergangslösung sein und darf nicht zu einem Dauerzustand werden. Es entspricht nicht der Natur von Kindern, sich mit Masken zu begegnen. Ein Großteil des Schullebens wird dadurch sehr eingeschränkt, vor allem auf emotionaler Ebene. Kinder können so beispielsweise nicht mehr sehen, wenn ein Lehrer sie anlächelt." Ruppaner weiter: "Außerdem klagen die ersten Schüler auch schon über Kopfschmerzen. Wir plagen die Kinder mit dem Tragen der Masken, das muss allen bewusst sein." Auffällig ist laut dem Schulleiter, dass seit Einführung der Maskenpflicht der Anteil der Schüler, die das Fernlernangebot der Schule nutzen, gestiegen ist. "Wir hatten vorher schon einen recht hohen Anteil mit etwa 30 Prozent, jetzt sind es etwa 40 Prozent unserer Schüler, die zu Hause bleiben und dort lernen. Das funktioniert bei uns auch sehr gut, weil jeder Schüler ein i-Pad hat mit allen Lernprogrammen", so Stefan Ruppaner. "Aber natürlich kann so ein richtiges Schulleben nicht mehr stattfinden."

Wie anstrengend es ist, den Mundschutz den gesamten Schultag zu tragen, weiß Marla Beil, die die Kaufmännischen Schulen in Waldshut besucht und im kommenden Jahr ihren Abschluss machen will. "Unsere Schule war zwar die erste, die als gutes Vorbild vorangegangen ist und schon seit Freitag die Maskenpflicht im Unterricht eingeführt hat, aber viele Schüler fühlen sich dadurch eher gestört. Auch ich finde, dass die Masken im Unterricht störend sind, da man schlecht Luft bekommt." Die Stühlingerin sagt weiter: "Ein Problem der Masken ist auch, dass man die Lehrer und anderen Mitschüler kaum versteht und auch nicht richtig nachdenken kann, zumindest am Ende des Unterrichtstages. Aber was sein muss, muss eben sein. Und wenn diese Maßnahme uns nun vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schützt und die Ausbreitung eindämmen kann, dann werden wir auch das meistern."

Schülerin Luana Görtz besucht ebenfalls die Kaufmännischen Schulen in Waldshut. "Ich fand den Tag okay und hatte kein Problem damit, eine Maske zu tragen." Es habe ja einen guten Grund. Sie versteht, dass die Schüler die Masken tragen müssen, weil der Abstand im Klassenzimmer nicht gewährleistet werden kann und Corona eine ernst zunehmende Krankheit sei. "Ich habe vor allem die Hoffnung, dass ich durch die Hygienemaßnahmen in der Schule meinen Hobbys wie Musizieren und Turnen weiterhin nachgehen kann." Viele ihrer Mitschüler würden sich beschweren, dass sie Kopfschmerzen hätten oder ihnen schlecht werde. Das Problem hatte sie nicht. Sie habe heute sogar eine Klassenarbeit geschrieben und sich dabei nicht anders gefühlt als sonst. Das, was sie gestört hat, war dagegen das fast durchgängige Lüften. Es sei dadurch ziemlich kalt im Klassenzimmer gewesen.