Italienisches aus dem Wohnzimmer

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mi, 10. Juli 2019

Maulburg

Beim gefühlvollen Mila-Konzert platzte das Dorfstübli am Sonntag aus allen Nähten / Tolle Frauenstimmen, starke Präsenz.

MAULBURG. Am Sonntagabend gab Mila, das neue Bandprojekt von Pianist Mario Enderle, das erste "Wohnzimmerkonzert" im Dorfstübli. BZ-Mitarbeiterin Martina David-Wenk wollte wissen, wie es funktioniert, wenn Enderle zwei stimmgewaltige Sängerinnen und mit Gioacchino Ragusa percussionistische Unterstützung zur Seite stehen hat.

Warum Wohnzimmerkonzert?
Nina Rosetti, Anna Schneider und Gioacchino Ragusa haben in Mario Enderles Wohnzimmer geprobt. Es muss dabei durchaus auch mal laut zugegangen sein. Das lässt sich zumindest aus Mario Enderles Dank am Konzertabend an seine Nachbarn schließen. Also eher Partykeller- statt Wohnzimmerkonzert? Nein, denn dann hätten die Vier die schöne gelbe Couch samt der bunten Stehlampe im Bühnenhintergrund umsonst angeschafft. Und ihr Repertoire aus gefühlvollen satten Stücken mit Kuschelfaktor passt nun mal eher ins Wohnzimmer denn in den schallisolierten Partykeller.

Ging das Konzept im Dorfstübli auf?
Mehr als das. Solch einen Andrang hat Dorfstüblileiter Tobias Hohenstatter in dem Jahr, seit er in Maulburg arbeitet, noch nie erlebt. Er musste sogar ein Schild aufhängen, weil es keine Sitzplätze mehr gab. Das hat es bisher noch nie gegeben.

Welches Stück war das Beste?
Alle Stücke waren gut. Alle Gesangspartien gekonnt und gefühlvoll interpretiert. Alle Soli waren perfekt, die beiden Frauenstimmen ganz harmonisch aufeinander eingestimmt. Manche Stücke stachen trotzdem heraus. "Caruso", ursprünglich von Lucio Dalla, trieb einem in der Version von Mario Enderle und Nina Rosetti die Tränen in die Augen. Nina Rosetti ist in Lörrach geboren, hat zweieinhalb Jahre Richard Gepperts "Voicelab" im Burghof durchlaufen, doch am meisten "anima", (Seele) gelingt ihr mit den italienischen Stücken. Selbst "Laura non c‘é" hatte mehr Power und mehr Ausdruck als die Originalversion. Dieses Stück war übrigens eines der wenigen Chartstürmer im Programm der Vier. Ansonsten hatten sie eher verborgene Schätze in ihrem Programm. Zum Beispiel Arisa, eine in Deutschland bisher kaum bekannte italienische Sängerin. Auch Mario Enderle kannte Arisa noch nicht, bevor es ans Wohnzimmerproben ging.

Wer hatte die wunderbarste
Wandlung?

Das war ohne Zweifel Anna Schneider. Neben Nina Rosetti auf der Bühne zu stehen ist ganz schön schwierig. Die Bühnenpräsenz der geschulten Sängerin mit der äußerst wandlungsfähigen Stimme ist enorm. Da wirkt die junge Frau im geblümten Kleid fast etwas mädchenhaft. Wenn sie dann aber zum Mikro griff, ihre Songs ankündigte, zum Beispiel "Skin" von der Gruppe Boy und dies auch noch auf Alemannisch, war Anna Schneider authentisch. Auch ihre Stimme ist wandlungsfähig und voller Ausdruckskraft. Am Mikrophon wird aus dem sangesfreudigen Mädchen eine junge Frau mit großer Stimme und Persönlichkeit.

Wie kam’s zum Bandnamen?
Ganz einfach, so heißt Ninas Hund und der soll bei den Proben für viel Spaß gesorgt haben. Sie hätten sich auch Fifty-fifty nennen können. Zwei Männer, zwei Frauen, zwei jung, zwei ältere und zwei Deutsche und zwei Italiener.

Welchen Job hat das Dorfstübli
noch zu vergeben?

Bei diesen Temperaturen fehlte den Sängerinnen dringend ein "Palmwedler". Sagten sie jedenfalls. Selbst wer nur auf den Stühlen saß und der Musik zuhörte, kam an diesem Abend ins Schwitzen, wie muss es dann erst den Musikern ergangen sein? Das Publikum war gnädig und entließ das gefühlvolle Wohnzimmer-Quartett nach zwei Zugaben.