Mit der Pizza in der Hand diskutieren

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Mi, 08. Mai 2019

Maulburg

Jugendliche treffen auf Kandidaten: In Steinen und Maulburg gibt es für Jungwähler zwei Gesprächsrunden "Politik und Pizza".

STEINEN/MAULBURG. Um bei der Kommunalwahl am 26. Mai die erstmals wählenden 16-jährigen Jungs und Mädels hinterm Ofen hervorzulocken, hat sich das Kreisjugendreferat die Gesprächsreihe "Politik &Pizza" überlegt. Dabei soll der Nachwuchs zwanglos ins Gespräch mit Gemeinderatskandidaten vor Ort kommen. In Steinen geht es Pizza mampfend am Donnerstag, 16. Mai, zur Sache, im Maulburger Dorfstübli ist die Veranstaltung eine Woche später, am Mittwoch, 22. Mai, geplant.

Reges Interesse bei Kandidaten: Für den Steinener Pizza-Politik-Tag (16. Mai, 18 Uhr, Schulzentrum) registriert Steinens Jugendpfleger Helmut Kolibaba bereits reges Interesse bei den drei im Gemeinderat vertretenen Fraktionen. Jeder Ortsverein wolle vier Kandidaten für die Kommunalwahl in die Veranstaltung schicken. Diese können sich den Jungwählern vorstellen. Zugleich haben die Jugendlichen die Gelegenheit, die Kandidaten in 15-minütigen "Tischgesprächen" mit Fragen zu löchern, sich bei einem Film mit dem Thema Kommunalwahl und bei einem Poetry-Beitrag mit dem Thema Demokratie zu beschäftigen. In Maulburg hat Dorfstübli-Leiter Tobias Hohenstatter bereits vier feste Anmeldungen von Kandidaten sowie eine mündliche Zusage. Die Aktion "Politik & Pizza" ist der jüngste Baustein einer längerfristigen Strategie, jungen Menschen verstärkt Mitsprachemöglichkeiten im politischen Prozess zu geben, weiß Helmut Kolibaba.

Wie steht’s ums politische Interesse junger Menschen? Im Gespräch mit Tobias Hohenstatter und Helmut Kolibaba wird schnell deutlich, dass das Thema komplexer ist, als zunächst vermutet. Im Steinener JuZ etwa hat Helmut Kolibaba den Eindruck gewonnen, dass Jugendliche sich für Politik interessieren, "wenn es sie direkt betrifft". Das sei beispielsweise spürbar gewesen, als vor zwei, drei Jahren die Sanierung der Sporthalle Steinen anstand, in deren Untergeschoss sich das Jugendzentrum befindet. Aufmerksam verfolgten die jungen Menschen aber auch, wie sich die Gemeinde zur Modernisierung des maroden Wiesentalstadions

Auch schon Enttäuschung erlebt: Andererseits erlebe er jedoch auch immer wieder junge Leute, die sich bereits enttäuscht von der Politik abgewendet haben, etwa weil Versprechen nicht eingelöst wurden. Immer wieder gebe es auch junge Wähler, die sich in ihren Entscheidungen bereits von recht zähen Vorurteilen leiten lassen, sagt der erfahrene Pädagoge. Wieder andere Jugendliche täten zwar nach außen so, als ob ihnen die Politik so gar nichts bedeute. Dabei aber seien sie im Spieldorf, im JuZ oder in Vereinen über die Maßen engagiert und auch an sozialen Themen interessiert. Kolibaba verweist jedoch darauf, dass auch die 40 Jugendlichen, mit denen er in der Regel Umgang hat, nur einen kleinen Ausschnitt der jungen Gesellschaft in Steinen darstellten.

Schwierige Jugendarbeit in Maulburg: Schwieriger noch hat es Tobias Hohenstatter, erst seit einem Jahr Leiter im Maulburger Dorfstübli, mit dem Beurteilen, wie es um das politische Interesse beim Wählernachwuchs bestellt steht. Denn das in der alten Alemannenhalle untergebrachte Jugendzentrum zählt nur am Rande zu seinen Betreuungsaufgaben. "Wer hier ins Dorfstübli kommt, ist in der Regel noch nicht 16", merkt Hohenstatter an. Im Maulburger Jugendzentrum – immer wieder gerne beargwöhnt aus Kreisen des Gemeinderats – deute sich grad mal wieder ein zarter Neuanfang mit derzeit regelmäßig zehn Teilnehmern an. Die werden auf Minijob-Basis betreut – ein Zeitbudget, das hinten und vorne nicht reiche. An echte Jugendarbeit sei unter diesen Umständen nicht zu denken, sagt Tobias Hohenstatter. Eine seriöse Einschätzung, wie politisch die jungen Maulburger sind, sei da naturgemäß auch nicht möglich. Hohenstatter hofft auf eine allmähliche Veränderung und ist sicher: "Maulburg wird mehr und mehr darauf gestoßen, dass sich in der Jugendarbeit zu wenig tut."

Wie lässt sich Interesse wecken? "Erwachsene sollten Jugendliche in ihren Anliegen zunächst einmal ernst nehmen", spricht Jugendpfleger Helmut Kolibaba eine pädagogische Wahrheit recht gelassen aus. Fühlten sich junge Menschen ernstgenommen, seien sie vor Energie oft kaum noch zu bremsen. Dies zeige sich etwa bei den jährlichen Spieldörfern der Steinener Jugendpflege, wo es keinerlei Probleme gebe, jugendliche Betreuer für die Kinder zu finden. Junge Menschen ernstnehmen hieße aber auch, nicht allein vor Wahlen auf Erstwählerstimmen zu schielen, sondern sich langfristig den politischen Vorstellungen junger Menschen zu öffnen. Politiker vor Ort habe er in dieser Beziehung schon sehr unterschiedlich erlebt. "Es gibt die an der Jugend Interessierten und die Bremser." Ausgesprochen ärgerlich sei es in jedem Fall, so Kolibaba, "wenn die offene Jugendarbeit gegen die Jugendarbeit der Vereine ausgespielt wird".