Maximale DM-Ausbeute

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 27. Oktober 2020

Nordische Kombination

Kombinierer Fabian Rießle startet zweimal und siegt zweimal: einmal im Einzel und einmal im Teamsprint mit Manuel Faißt.

. Zwei deutsche Meistertitel in zwei Wettkämpfen – besser geht’s nicht. Diese Maximalausbeute bei den Nordischen Kombinierern schaffte Fabian Rießle (SZ Breitnau) am Wochenende in Oberstdorf nun schon zum dritten Mal in Folge. Für seinen Kumpel Manuel Faißt (SV Baiersbronn), mit dem er vor Jahren in Freiburg eine Sportler-WG bildete, war’s im Teamsprint der dritte gemeinsame Titel. Neben Rießle schaffte noch ein zweiter Hochschwarzwälder den Sprung aufs Treppchen: Pirmin Maier vom SC Waldau gewann bei den Junioren Bronze.

Trotz Regens beim Einzelwettbewerb fanden die Kombinierer faire Bedingungen vor, der Wind spielte keine Rolle, berichtete Rießles Heimtrainer Albert Wursthorn. Beim Springen registrierte er erfreut, dass der 29-jährige St. Märgener seine aktuell starke Form auch auf der Großschanze unter Beweis stellen konnte. Sein Sprung auf 135 Meter war nicht nur der weiteste der 33 Starter, dafür gab’s auch die höchste Haltungsnote. Danach war Wursthorn klar, dass der Titelverteidiger sich die Führung nicht mehr würde nehmen lassen.

Fabian Rießle ging 31 Sekunden vor Manuel Faißt, der 131 Meter weit gesprungen war, und 41 Sekunden vor dem Sachsen Terence Weber auf die Skirollerstrecke. Der 18-jährige Pirmin Maier hatte als Achter des Springens (127,5 Meter) mit eineinhalb Minuten Rückstand noch eine bessere Ausgangsposition als die Weltklasseathleten Vinzenz Geiger (11.) und Eric Frenzel (12.). Auch sein drei Jahre älterer Bruder Jonas Maier (120) startete als 19. fast eine halbe Minute vor dem Olympiasieger und sechsmaligen Weltmeister Johannes Rydzek (110/23.) auf die zehn Kilometer.

Dem jungen Vater Rießle reichte die drittbeste Laufzeit, 23:15,8 Minuten, zum souveränen Sieg. Mit der schnellsten Zeit (22:06) wurde 26,2 Sekunden hinter ihm der Oberstdorfer Geiger deutscher Vizemeister vor Jakob Lange (Kiefersfelden/41,2 Sekunden zurück). Die beiden Bayern hatten in der Verfolgung zusammengearbeitet und etwa zwei Kilometer vor dem Ziel Manuel Faißt eingeholt und überholt. "Dann ist es vorbei", sagte Wursthorn bedauernd, denn Faißt hatte niemanden, in dessen Windschatten er sich zwischendurch mal kurz hätte erholen können. Doch auch Rang vier, knapp zehn Sekunden hinter dem Bronzerang, sei ein "super Ergebnis".

Junior Pirmin Maier führt nach dem Springen und wird Dritter

Ein bisschen besser als dem in Oberried lebenden Nordschwarzwälder erging es Pirmin Maier. Der Waldauer, der als bestplatzierter Junior nach dem Springen ins gemeinsame Rennen mit den Männern gegangen war, wurde kurz vor dem Ziel von einem Bayern und einem Sachsen passiert. Silber verpasste er nur um 1,5 Sekunden, aber er gewann Bronze klar vor dem am Skiinternat Furtwangen trainierenden Schwaben Jan Andersen. Dessen 17-jähriger SKIF-Kollege Rafael Fischer (ST Schonach-Rohrhardsberg) wurde Elfter der Juniorenwertung. Als "ein starkes Stück" von Pirmin Maier lobte Albert Wursthorn die "eher überraschende" Medaille. Der drei Jahre ältere Bruder Jonas Maier musste sich nach der strapaziösen Fünfschanzentournee bei der DM mit Rang 23 in der gemeinsamen Wertung zufriedengeben.

Tags darauf im Teamsprint kamen Manuel Faißt und Fabian Rießle auf exakt dieselben Weiten wie im Einzel: 131 und 135 Meter. Eric Frenzel mit Tagesbestweite von 139 Metern und Terence Weber (133,5) gingen am Nachmittag als Führende 33 Sekunden vor dem Schwarzwälder Duo auf die Strecke. Jeder Läufer hatte fünf Runden à 1,5 Kilometer zu absolvieren. Rießle lief in seiner vorletzten Runde zu Weber auf, Faißt konnte auf seiner Schlussetappe mit Frenzel mithalten und wechselte gleichauf auf Schlussläufer Rießle. Der und Weber taktierten bei verringertem Tempo. Der Mannschafts-Olympiasieger von 2018 zog auf den letzten 200 Metern an und ließ dem fünf Jahre jüngeren Sachsen keine Chance. Mit der schnellsten Laufzeit (33:29,9) holten Rießle und Faißt den DM-Titel für die Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) 3,2 Sekunden vor Sachsen. Die drittplatzierten Bayern mit Lange und Geiger lagen 1:17 Minuten zurück. Auf Rang acht behaupteten sich Jan Andersen und Pirmin Maier als SBW 2 noch in der ersten Hälfte des Feldes.

Neben dem sportlichen Erfolg der baden-württembergischen Kombinierer hob Albert Wursthorn die sehr gute Stimmung und Zusammenarbeit unter Trainern und Sportlern hervor. Das habe auch Bundestrainer Hermann Weinbuch gewürdigt. Es mag kurios klingen in Corona-Zeiten, doch in dieser schwierigen Lage seien sie – unter Einhaltung der Abstandsregeln – alle enger zusammengerückt. Und das, betont der erfahrene Schwarzwälder Trainer, "ist auch notwendig".