Medienhäuser gewinnen gegen Google

dpa

Von dpa

Sa, 10. April 2021

Computer & Medien

US-Konzern zieht die Berufung gegen das Münchner Urteil zum Gesundheitsportal der Bundesregierung zurück.

Der US-Konzern Google zieht sich aus dem Rechtsstreit um eine Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bei einem Online-Gesundheitsportal zurück. Das bestätigte Google-Unternehmenssprecher Kay Oberbeck am Freitag der dpa. Bei dem Rechtsstreit geht es um eine Kooperation zwischen Google und dem Bundesgesundheitsministerium, die das Landgericht München im Februar vorläufig untersagt hatte.

Bei Google-Suchanfragen zu Krankheiten wurde prominent eine Infobox des Portals gesund.bund.de angezeigt, das vom Gesundheitsministerium verantwortet wird. Die Informationen stammen zum Beispiel vom Deutschen Krebsforschungszentrum, dem Robert Koch-Institut oder von medizinischen Fachgesellschaften. Gesundheitsminister Jens Spahn erhoffte sich durch die Kooperation mit Google einen Bekanntheitsschub für das Portal.

Medienhäuser befürchten dadurch aber Nachteile, weil sie im Internet ebenfalls Gesundheitsportale anbieten. Der Konzern Hubert Burda Media hatte über eine Tochterfirma, das Gesundheitsportal netdoktor.de, vor dem Landgericht gegen Google und die Bundesrepublik geklagt und mit dem Urteil einstweilige Verfügungen erwirkt. Das Gericht wertete die Zusammenarbeit als Kartellverstoß. Google entfernte daraufhin die Infoboxen. In dem Rechtsstreit ging es nicht um die Frage der Zulässigkeit des Portals als solches.

Im März war dann bekanntgeworden, dass der US-Konzern beim Oberlandesgericht München Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte. Mit der nun zurückgezogenen Berufung ist das Urteil rechtskräftig, wie das Oberlandesgericht mitteilte. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte, dass es seinerseits keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Gerichts eingereicht hatte. Google-Sprecher Oberbeck sagte, somit könnten "Inhalte des Gesundheitsportals gesund.bund.de dauerhaft nicht mehr in die Health Condition Knowledge Panels eingebunden werden. Damit erübrigt sich ein Vorgehen von unserer Seite". Mit den Panels sind die Infoboxen auf der Suchmaschinen-Seite gemeint. Philipp Welte, Vorstand bei Hubert Burda Media, sagte: "Das Landgericht München hat ein Zeichen gesetzt für die unabhängige Presse, und es hat den Monopolen klare Grenzen aufgezeigt." Dass Google das Urteil akzeptiere, "werten wir als ein Zeichen des Respekts vor der Freiheit der Medien als einem Grundwert unserer demokratischen Gesellschaft."

Auch andere Stellen beschäftigen sich mit dem Gesundheitsportal. Der Wort & Bild Verlag aus Baierbrunn stellte bei einem Berliner Gericht einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Bund. Ein Gerichtssprecher teilte auf Nachfrage mit, dass es noch keinen Termin in diesem Verfahren gebe. Zum Portfolio des Wort & Bild Verlags zählt etwa die Marke "Apotheken Umschau". Auch die deutschen Medienregulierer prüfen das Portal derzeit. Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein stieß im Dezember das interne Verfahren an. Es wird geprüft, ob durch die prominente Darstellung des Gesundheitsportals andere journalistisch-redaktionelle Angebote aus dem Themenbereich Gesundheit diskriminiert werden.