Kommentar

Mehr Geld allein löst die Probleme des Fußballs nicht

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mi, 24. Mai 2023 um 22:01 Uhr

Sportpolitik

Die Profi-Fußballvereine haben sich gegen den Einstieg eines Investors entschieden. Die DFL sollte nun nach neuen Lösungen suchen. Es gibt andere Wege, die Bundesliga im Ausland besser zu vermarkten.

Der Applaus kam alsbald. Die Pressekonferenz im Raum Skyloft des Frankfurter Airport Hotels war kaum beendet, da hatte die Fanvereinigung "Unsere Kurve" der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schon das Lob übermittelt, sich gegen den Einstieg eines Investors entschieden zu haben. Mit der verfehlten Zweidrittelmehrheit sei ein Umdenken angestoßen: Nur mehr Geld alleine löst die Probleme des Fußballs nicht. An diesem Ansatz ist natürlich erst einmal einiges dran.

Obwohl der Profifußball vor der Corona-Pandemie ein Wachstum hinlegte, von dem die meisten Branchen nur träumen konnten, genügten letztlich wenige Wochen Unterbrechung, um gerade jene Vereine an den Rand des Abgrunds zu führen, denen die Anhänger selbst in trüben Zeiten die Bude einrennen. Trotzdem, und das ist der andere Teil der Wahrheit, wirtschaftet die Bundesliga im internationalen Vergleich sogar ordentlich.

Im Ausland sind die Schuldenberge teils höher, die Machenschaften oft dreister, wie gerade die Sanktionen gegen Juventus Turin und die Machenschaften des FC Barcelona zeigen. Und Paris St. Germain hält sich mit katarischem Geld an der Spitze.

Italien, Spanien und Frankreich haben den Weg, den die Deutsche Fußball-Liga mit einem Investor gehen wollte, schon hinter sich. Insofern birgt der freiwillige Verzicht das Risiko, mittelfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden, die Startplätze im Europapokal zu verspielen – und damit auch die Vermarktungserlöse.

Die DFL-Spitze sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit der Liga

Das ist die Sorge, die mit Hans-Joachim Watzke (Borussia Dortmund), Axel Hellmann (Eintracht Frankfurt) und Oliver Leki (SC Freiburg) drei Steuermänner umtreibt, die aus drei unterschiedlichen Klubs kommen, aber eine Stoßrichtung verfolgten: die Wettbewerbsfähigkeit der Liga aufrechtzuerhalten. Watzke hat in einem Punkt recht: Sich hemmungslos zu verschulden, wie es seit Jahren die Bundesregierung vormacht, weil sie die nicht gedeckten Haushalte einfach den nächsten Generationen überlässt, kann nicht der Weg der Bundesliga sein.

Gleichwohl ist es auch keine Lösung, wenn die von dem Abstimmungsergebnis vergrätzte Troika jetzt die beleidigte Leberwurst spielt. Oder gar über die Abspaltung ihrer Aushängeschilder fabuliert. Es gehört sich jetzt vernünftig mit einigen Tagen Abstand noch einmal an einen Tisch gesetzt, ob es auch andere Wege gibt, um beispielsweise die Auslandsvermarktung anzukurbeln.

Vielleicht muss dafür ja gar keine eigene Streaming-Plattform aufgebaut werden. Es könnte auch helfen, wenn Bundesligisten in den Europapokalwettbewerben mal so performen wie die Vertreter aus der Serie A. Und die deutsche Nationalmannschaft sich bei einem Turnier mal wieder in erster Linie um schönen und erfolgreichen Fußball kümmert. Das wären alles Maßnahmen, die sofort auch jeder Fan begrüßen würde.