Mehr Impfstoff ab sofort verfügbar

dpa

Von dpa

Sa, 09. Januar 2021

Deutschland

EU: Sechs statt fünf Spritzen pro Ampulle / Brüssel rügt Berlin für Alleingang bei Beschaffung / Ramelow bedauert zögerlichen Kurs.

(AFP/BZ). In Deutschland und der EU können ab sofort 20 Prozent mehr Menschen mit vorhandenem Corona-Impfstoff von Biontech geimpft werden. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat erlaubt, dass pro Ampulle sechs statt fünf Dosen genutzt werden. Nach Kritik an der unzureichenden Verfügbarkeit von Impfstoff sicherte sich die EU-Kommission zudem 300 Millionen weitere Biontech-Impfdosen.

Die EU hat bislang im Auftrag der Mitgliedstaaten bei sechs Herstellern bis zu 2,3 Milliarden Dosen möglicher Vakzine geordert. Es ist offen, ob alle marktreif werden. Das Mittel der Mainzer Firma Biontech wurde vor Weihnachten als erstes zugelassen, danach starteten die Impfungen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte nun, die Bestellung bei Biontech sei auf 600 Millionen Dosen verdoppelt worden. Aus der Nachbestellung sollen die ersten 75 Millionen Dosen ab zweitem Quartal da sein. Pro Impfling sind zwei Spritzen nötig, um die volle Immunität zu erreichen. Biontech teilte unter Verweis auf erste Studien mit, dass das Mittel auch gegen Virus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika wirksam sei. Diese gelten als ansteckender.

Von der Leyen rügte, dass Deutschland unter Umgehung der EU direkt bei Biontech nochmals 30 Millionen Dosen gesondert geordert hat. Alle EU-Staaten hätten sich "rechtlich bindend" darauf verständigt, nur gemeinsam Impfstoffe zu bestellen. Es könne "keine Parallelverhandlungen, keine Parallelverträge" geben.

Derweil stieg die Zahl der Corona-Todesfälle in Deutschland auf einen Tageshöchstwert: Das Robert-Koch-Institut meldete ein Plus von 1188 auf insgesamt 38 795. Laut Statistischem Bundesamt starben in der zweiten Dezemberwoche insgesamt 23 Prozent mehr Menschen als im selben Zeitraum der vier Vorjahre.

Indes bedauerte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) seinen früheren Widerstand gegen härtere Corona-Regeln. "Ich ganz persönlich ärgere mich heute, dass ich im November innerlich nicht bereit war, zu sagen: Den Dezember mit seinen vielen Feiertagen nutzen wir bundesweit für eine Generalpause", sagte er der FAZ. "Alles, was nicht lebensnotwendig ist (...), hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen." Die "permanente Verlängerung von Einzelmaßnahmen, die aber insgesamt nicht zum Austrocknen des Virus führen", sei ein "teurer und falscher Weg". Über Kanzlerin Angela Merkel, die früh einen härteren Kurs wollte, sagte er: "Die Kanzlerin hatte Recht und ich hatte Unrecht."