Kolumne

Die Sprache des Kochens ist wie das Kochen selbst

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Do, 26. November 2020 um 09:03 Uhr

Unterm Strich

"Mahlzeit": Gibt es schon ein Wort für die vielen Mahlzeiten, die im pandemisch-sozialen Rückzug entstehen, wenn man zwischen zwei Calls die Kühlschranktür öffnet und irgendwas rausnimmt?

Wörter können wehtun. Das gilt ganz besonders beim Kochen – oder, um mit der ersten schlimmen Formulierung zu beginnen: beim Küchenlatein. Auch hier stimmt, was eigentlich immer wahr ist: Der eine kann nicht ertragen, was der andere mag.

Wie ein Essen schmecken soll, das man schnipfeln, angehen lassen, abbacken, brutzeln oder schmurgeln und am Ende pikant abschmecken muss, weiß ich nicht. Aber wahrscheinlich ist das auch kein Essen, sondern ein köstlicher und reichhaltiger Schmaus, von dem man wenigstens vorher schon einmal kostet, um dann später gemütlich mit Freunden bei Weinchen und Bierchen mit einer Soße mit ordentlich Knofi zu schlemmen oder zu schnabulieren, um pappesatt zu werden.

Mal was wegsnacken

Bis auf den kleinen Nachkauer vielleicht. Danach trinken manche Menschen ein Käffchen. Das macht so müde.

Falls von der fabelhaften Speisenfolge was übrigbleibt, kann man es am nächsten Tag vor den Augen der Kollegen verhaften, natürlich nicht ohne fröhlich dabei "Mahlzeit" zu rufen. Oder, wenn es etwas weniger ist, halt so wegsnacken.

Kochwörter können aber auch Vorfreude wecken. Millefeuille zum Beispiel. Man spürt schon, wenn man es ausspricht, dieses kleine Krachen der zarten Teigschichten im Mund. Und auch furchteinflößende Tätigkeiten werden durchaus angemessen bezeichnet: Das Wild muss man ausbrechen, das Fleisch entbeinen.

Die Sprache des Kochens ist wie das Kochen selbst: Mit denselben Fingern, die gerade einen Knochen aus der Keule geschnitten oder den Teig eine Viertelstunde gewalkt haben, muss man kurze Zeit später feinmotorisch sein. Für die Prise Salz, den Hauch von Puderzucker – sie sind klein, und die Wörter dafür sind zart. Aber wenn sie im Rezept und beim Zubereiten fehlen, ist alles nichts.