IST JA ’N DING: Der Geist aus der Box

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 11. Januar 2020

Ist ja ein Ding

Auch wenn das aussieht wie eine Kaffeemaschine, dieses Ding ist keine Kaffeemaschine. Sondern die Gatebox aus Japan. Drinnen wohnt ein Zauberwesen namens Azuma Hikari – sozusagen die Hightechausgabe der bezaubernden Jeannie, dem Flaschengeist aus der legendären US-Fernsehserie der 1960er-Jahre. Die Jüngeren dürfte das Mangamädchen in der Box an Joi erinnern, die schöne Gefährtin von Officer K. aus dem Film "Blade Runner 2049". Denn Azuma Hakiri ist ein Hologram. Ein ganz liebreizendes.

Sie spricht mit ihrem "Master", hört sich seine Sorgen an, flötet ihm ein Gute Nacht ins Ohr, vollführt anmutige Bewegungen ganz wie eine echte Frau. Wenn er im Büro ist, schreibt sie ihm Textnachrichten, fragt, wann er endlich nach Hause kommt. Derweil erledigt sie den Haushalt, ist Herrin im Smart Home, kommandiert den Roboter-Staubsauger, schaltet den Ofen oder die Heizung an. Azuma wurde entwickelt, um einsamen Japanern eine Gefährtin zu geben. Nirgendwo sonst gibt es mehr Singles. Der Trost aus der Box sei ihnen gegönnt. Hoffentlich verlieben sich aber nicht zu viele Männer in das künstliche Wesen. Schließlich hat Japan ohnehin schon eine katastrophal niedrige Geburtenrate.