Krieg auf unseren Straßen

MOMENT MAL: Hallo Gegner, bitteschön

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mo, 09. September 2019

Kolumnen (Sonstige)

Neulich, auf irgendeiner Autobahn. Das Auto hinter mir auf der Überholspur scheint bereits angedockt zu haben. Oder sollte ich mich von ihm und seinem Fahrer einfach ein bisschen schieben lassen – wäre das nicht mal ein tolles Energiesparmodell? Die Angst um Lack, Blech und Plastik sowie die eigene Unversehrtheit obsiegt und ich schwenke nach dem Überholvorgang brav ein, obwohl da schon wieder zwei Lkw vor mir sind. Der Drängler zieht an mir vorbei, nicht ohne mir ein paar eindeutige Gesten zu zeigen. Zirka 100 Meter später hat er dann den nächsten vor sich... Nicht nur, dass viel los ist auf unseren Fernstraßen. Wie es los ist, das verwundert. Oder, mal im Ernst, würden Sie jemanden, der auf dem Gehsteig vor Ihnen läuft, erst anrempeln und ihm dann beim Überholen noch den Stinkefinger zeigen? Na ja, vermutlich ist auch das schon Alltag. Es herrscht nämlich so etwas wie ein unterschwelliger Kriegszustand im Straßenverkehr. Und da man im Auto so herrlich anonym hinterm Steuer bleibt, kann man seine Aggression umso leidenschaftlicher ausleben. Das scheint nicht so neu zu sein. "Hallo Partner, danke schön", lautete eine Kampagne, die der Deutsche Verkehrssicherheitsrat 1971 startete: für "rücksichtsvolleres Verhalten und mehr Hilfsbereitschaft im Straßenverkehr". Ist einfach zu lange her, als dass man sich im "Hallo Gegner, bitte-schön"-Zeitalter daran erinnert. Wäre aber wünschenswert.