Netflix-Dreh in Freiburg

MÜNSTERECK: Phantasie und Wirklichkeit

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Fr, 12. Juli 2019

Kolumnen (Sonstige)

Für jüngere Bewohner der Bundesrepublik klingt der Name "Netflix" heute wohl so, wie "Hollywood" für das Pendant in den Fünfzigerjahren geklungen haben muss. Der Name strahlt Glanz ab, verspricht, weitab von allzu alltäglichen Qualen, wie Wäschewaschen und Geschirrspülen zu sein – und am Ende bewirken beide, Hollywood wie Netflix, einfach nur, dass der oder die sehnsüchtig Schmachtende den halben Tag vor der Mattscheibe hängt. Dennoch: Wenn so ein Hochkaräter wie Netflix sich schon mal in die Freiburger Peripherie wagt, dann erwartet man irgendwie Spektakuläres. Schöne Menschen, die coole Dinge tun und sagen. Irgend sowas eben. Auf alle Fälle aber kein dreckiges Geschirr. Das haben wir ja selbst. Und was passiert stattdessen? Stattdessen sieht man ab und an eine recht unspektakuläre Gruppe von Leuten, die ihrer Arbeit nachgehen, die brav Drehgenehmigungen eingeholt haben, an die sie sich dann auch noch halten, die Kameras und Sonnensegel schwenken und dabei mal freundlich und mal genervt auf Passanten reagieren – Menschen, die sich zum Mittagessen Nudeln aus einem Catering-Wagen holen und am Ende dreckiges Geschirr übriglassen. Was lernen wir also aus dem Dreh, der nun zu Ende ist? Netflix genießt man besser vor der Mattscheibe. Sonst ist es schnell entzaubert.