Niklas Arneggers Wochenschau

SALTO RÜCKWÄRTS: Kompass des Kontrolleurs

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Sa, 17. Oktober 2020

Satire

Für die Hornochsenmedaille 2020 des Gemeinderats sind bisher deutlich überzeugendere Bewerbungen eingelaufen als in anderen Jahren (aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit selbstverständlich ohne Namensnennung.) Einer der Kandidaten hat Fahrkartenkontrolleure der VAG vor einer Woche auf Fakebux, oder wie das heißt, als miese Hurensöhne bezeichnet. Er setzte einen Tag später mit einem bemerkenswerten Satz noch einen drauf: "Mir erschließt sich der moralische Kompass eines Fahrkartenkontrolleurs nicht." Der moralische Kompass des anderen, Dauerkandidat seit Monaten und bisher als sicherer Sieger gehandelt, dagegen ist leichter zu entschlüsseln. Dieser Kompass verführt ihn dazu, regelmäßig deutlich raus zu posaunen, was in seiner Partei im Großen und Ganzen gedacht wird. Das ist dieser gar nicht recht, weil sie sich bis zur Kenntlichkeit entstellt sieht. Also hat sie ihm die braune Karte gezeigt, obwohl – Farbparadox! – ihre Parteifarbe blau ist. (Nebenbei beweist sich hier mal wieder, dass es bei Menschen, die von sich behaupten, sie sagten, was sie denken, mit dem Denken meist nicht weit her ist.) Nun hat es die Jury nicht leicht, denn die Fälle sind durchaus verschieden. Der eine hat, immerhin, den Versuch einer Entschuldigung gestartet, der andere aber bleibt stur, geht gern auch mal vor Gericht, und trägt darum die ihm schon längst verliehene Beleidigte-Leberwurscht-Medaille mit stolzgeschwellter Brust.

Die Leute kaufen Wohnmobile wie verrückt. Und je größer, desto besser, aber halt auch desto immobiler. Bei den hochklassigen Exemplaren werden die obligatorischen zwei Hunde gleich mitgeliefert, und dann geht es ab an den einsamen Strand, wie es die Werbung im Fernzäh verspricht. Aber ach! Es fehlt der Stellplatz. Auch in Freiburg. Vom Stühlinger sollen die Mobile zum neuen Stadion umziehen oder gar zu den Schlatthöfen im Mooswald. Doch nichts ist fertig.

Zum Wohnmobilwesen hat schon Wallenstein bei Schiller das Nötige gesagt: "Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen. Wo eines Platz nimmt, muss das andre rücken. Wer nicht vertrieben sein will, muss vertreiben; da herrscht der Streit, und nur die Stärke siegt." So isses! Und so stehen die Wohnmobile denn, so ihre Besitzer überhaupt einen Platz gefunden haben, nicht einsam am Strand, sondern zu Hunderten dicht an dicht auf einem öden Parkplatz, und nur nach oben ist noch Luft. Doch auch die wird gebraucht. Denn die ausfahrbare Schüssel ist riesig.

Was ’ne richtige Stadt ist, die braucht einen Saft. Vor allem, wenn sie 900 Jahre alt wird. Einen Jubiläumssaft! Der Barcode auf den Etiketten der Saftflaschen war nun teilweise überdruckt. Weil: Der Barcode, glauben manche, setzt ohne Entstörung beim Einscannen eine Strahlung aus und Gift im Körper frei. Die Firma Jung, von der Saft, Flaschen und Etiketten stammen, hat nun eilig versichert, das sei ein Versehen. Denn ein Jubiläumsgift dank Jubiläumssaft zum 900-Jährigen – das will kein Mensch. Immerhin: Auch dieser Vorgang wirkt hornochsenmedaillenreif.

PS: Vorschläge für eine gendergerechte Umbenennung der oben genannten Medaille werden entgegengenommen. Uns ist dazu nichts Passendes eingefallen.