UNTERM STRICH: Der Spion im Orbit

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Fr, 14. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Ein Landwirt hat der ganzen Welt einen Heiratsantrag gemacht / Von Michael Saurer.

Die Datenschutzgrundverordnung ist ein Albtraum. Allein schon wegen des sperrigen Namens, der sicher beim wöchentlichen Scrabble-Treff der EU-Bürokraten entstanden ist. Dabei war ja alles gut gemeint. Die Bürger sollten die Hoheit über ihre Daten haben, selbst entscheiden, was sie preisgeben wollen und was nicht.

Nur: Wer glaubt, dass unsere Daten nun sicher sind, der glaubt auch daran, dass der Osterhase in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem Weihnachtsmann lebt. Denn natürlich ist unser Alltag längst gläsern. Nicht nur durch den US-Geheimdienst NSA, der bestimmte Suchbegriffe aus wohl ziemlich vielen Telefongesprächen herausfiltert, sondern vor allem durch Google. Man kennt das: Man schaut sich im Netz einen Vergleichstest von Staubsaugern an – und fortan wird man wochenlang auf allen Seiten mit Staubsaugerwerbung beglückt.

Noch mehr ins persönliche Leben greift der Kartendienst Google Maps ein. Was von deren Satelliten aufgenommen wird, ist fortan für die ganze Welt sichtbar. Auch ganz persönliche Momente. Das hat nun der Nebenerwerbslandwirt Steffen Schwarz aus dem hessischen Hüttenberg erfahren müssen. Er wollte seiner Freundin einen ungewöhnlichen Heiratsantrag machen, fräste mit einer Sämaschine den Satz "Willst du mich heiraten?" in einen Acker und ließ seine Herzdame eine Drohne über das Feld fliegen. Nur dass just in diesem Moment nicht nur die Drohne darüberflog, sondern oben im Orbit auch der Google-Satellit. Und – klick – wurde der Antrag für alle Erdenbürger sichtbar.

Schwarz sieht das gelassen. Warum? Weil dort mittlerweile der Weizen wächst und das Bild demnächst wieder ersetzt werden dürfte. Und weil er ohnehin auf Wolke sieben schwebt: Die Freundin hat "Ja" gesagt, im Juni steigt die Hochzeit. Immerhin hat er das Datum und den Ort nicht auf den Acker gefräst. Wer sieben Milliarden Menschen einlädt, müsste sich ernsthafte Gedanken machen, ob die Hochzeitslocation genügend Platz bietet.