UNTERM STRICH: Die Käse-Auktion der Mönche

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Di, 06. April 2021

Unterm Strich

Wie französische Klosterbrüder den Sprung ins 21. Jahrhundert wagten / Von Knut Krohn.

Die Mönche der Abtei Citeaux glauben selbstverständlich an Wunder. Dies ist Teil ihrer Berufsbeschreibung. Nun sind die 17 Brüder aber selbst überrascht worden, was allerdings weniger mit einer göttlichen Fügung, sondern eher mit irdischer Marktwirtschaft zu tun hat.

Die Abtei saß nämlich auf einem riesigen Berg von 4000 Käselaiben. Die Sorte Reblochon wird seit 1925 in Citeaux hergestellt und genießt unter Feinschmeckern einen einzigartigen Ruf. Die Corona-Pandemie stellt die Mönche allerdings vor ein grundlegendes Problem. "Die Kunden kommen weniger in die Läden, und die Restaurants sind geschlossen", sagt Bruder Jean-Claude, Marketing-Beauftragter der 1098 gegründeten Abtei. Der Umsatzrückgang liege bei fast 50 Prozent. Der normale Jahresumsatz betrage rund 1,2 Millionen Euro.

Man habe versucht, den 75 Kühen zu erklären, dass sie weniger Milch produzieren sollen – "aber das scheinen sie nicht zu verstehen", so Bruder Jean-Claude mit einem Augenzwinkern. Nun wagten die Mönche den Sprung ins 21. Jahrhundert: Sie verkauften ihren Reblochon über das Internet. "Normalerweise lehnen wir Internet-Bestellungen ab", unterstreicht Jean-Claude. Aber besondere Umstände verlangen außergewöhnliche Maßnahmen. Angeboten wurde der Käse über das Start-up "Divine Box", das sich auf den Online-Verkauf von Produkten religiöser Orden spezialisiert hat. Eigentlich sollte die Aktion drei Tage dauern, doch schon nach wenigen Stunden leuchtete auf der "Divine Box"-Seite in knalligem Rot der Hinweis: "Opération terminée – 2006,9 kg précommandés en 24h!" Der Käse war in Windeseile ausverkauft.

"Wir sind vom Erfolg überwältigt", erklärt Bruder Benoit, zuständig für die Finanzen des Klosters. "Das war völlig unerwartet." Der Käse wurde allerdings nicht nur über das Internet verkauft, offensichtlich hatte sich die Aktion auch in der realen Welt schnell herumgesprochen und es seien wesentlich mehr Kunden in die Läden vor Ort gekommen.