UNTERM STRICH: Durchzählen hilft

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Di, 25. Juni 2019

Kolumnen (Sonstige)

Immer wieder bleiben Reisende zurück, sogar im Flieger / Von Franz Schmider.

Man muss Tiffani Adams einen gesunden Schlaf attestieren. Genau genommen müsste man sagen, sie hatte einen tiefen und festen Schlaf bis zu jenem Tag im Juni, an dem sie von Quebec nach Toronto flog. Sie verpennte erst die Landung, ihr entging, wie die anderen Passagiere den Flieger verließen und dieser vom Gate weggezogen und fernab abgestellt wurde. Dann freilich gab es ein böses Erwachen – und das raubt ihr, wie sie sagt, seither den Schlaf.

Denn es war stockfinster, kalt, die Türen waren verriegelt, ihr Handy funktionierte nicht. Als es Tiffani Adams schließlich gelungen war, eine Tür zu öffnen, stellte sie fest: Ohne Treppe geht hier nichts. Möchte man nicht erleben, kommt aber immer mal wieder vor. In Vancouver wachte ein britischer Passagier erst auf, als die Maschine bereits im Hangar abgestellt war, ähnliche Berichte gibt es aus Philadelphia und Kalifornien. Man scheint es jenseits des großen Teichs nicht so genau zu nehmen mit den Kontrollgängen durch die Reihen. Was allein aus Sicherheitsgründen angezeigt wäre.

Hierzulande bleiben Menschen eher an Autobahnraststätten, an Bahnsteigkanten oder in Zügen zurück. In einem Fall fiel einer Familie die Abwesenheit der dreijährigen Tochter erst auf, als sie im Autoradio eine Suchmeldung hörten. Ein Autofahrer merkte erst 150 Kilometer nach einem Tankstopp, dass seine beiden Töchter (10 und 14 Jahre alt) nicht mehr auf der Rückbank saßen. Ein Elternpaar ließ auf der A 5 ihr Kind an einer Raststätte zurück. Es sei ein ruhiges Kind, sagten die Eltern später zur Polizei.

Im Mai vergaß ein Paar in Hamburg ihr Neugeborenes auf dem Weg aus der Klinik nach Hause im Taxi. Der Fahrer stellte nichtsahnend sein Fahrzeug in einer Tiefgarage ab, machte Pause und fuhr dann zum Flughafen. Erst dort machte ihn ein neuer Fahrgast darauf aufmerksam, dass die Rückbank belegt war. Das Kind hat, heißt es bei der Polizei, von all der Aufregung nichts mitbekommen. Vor allem aber: Am Ende wurde alles gut.