UNTERM STRICH: Ein neuer Mensch

Dora Schöls

Von Dora Schöls

Di, 11. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Warum US-Präsident Trump auf einmal für Würde und Stabilität eintritt / Von Dora Schöls.

Dass Menschen sich neu definieren können, das lehrt uns schon die Bibel. Saulus, einer der ärgsten Verfolger Jesu, verwandelt sich nach einer Erscheinung des Heilands in Paulus, glühender Missionar. Der Romantiker Hugh Hefner beginnt durch eine enttäuschte Liebe, sich für sexuelle Freiheit einzusetzen. Andersherum Brigitte Bardot, einstiges Sexsymbol. Sie interessiert sich seit ihrem Ausscheiden aus der Filmwelt nur noch für den Tierschutz.

Und jetzt also auch – wer hätte das gedacht? – Donald Trump. Unbeschadet dem Impeachmentverfahren entronnen zu sein, scheint bei dem Präsidenten eine größere Wirkung hinterlassen zu haben als angenommen. Der neue Trump besinnt sich plötzlich auf die Zeit der Gründerväter. Laut einem neuen Dekret, dessen Entwurf dem Magazin Architectural Record vorliegt, sollen alle staatlichen Gebäude dem "klassischen" Baustil folgen. Auf Trumpisch heißt das: "Making Federal Buildings Beautiful Again".

Der alte Trump, dessen dunkle Glastürme in New York und Chicago für sein altes, geheime Pläne schmiedendes Ich standen, wird zum neuen Trump, Fan von Offenheit, klaren Formen und weißen Säulen. Die klassische Architektur verkörpere einfach mehr Würde und Stabilität als dieses ganze moderne Zeugs, heißt es in dem Entwurf. Architektonisch wie politisch sieht sich der Präsident damit auf einmal in der Tradition der Gründerväter, denen es genau um diese Werte ging – und zu deren Zeit die klassische Bauweise eben die angesagte war.

Vielleicht will Trump schlicht seine Dankbarkeit ausdrücken dafür, dass man damals das Amtsenthebungsverfahren so angelegt hat, dass der Senat ihn freisprechen konnte. Vielleicht will er aber auch anknüpfen an das altehrwürdige Bild der USA, von dem etwa das Kapitol in Washington zeugt. Und was eignet sich dafür besser, als sich in die Tradition eines Monarchie-Vertreters zu stellen? Schließlich ist der britische Prinz Charles auch richtig gut damit gefahren, moderne Architektur zu verteufeln.