UNTERM STRICH: Einsprachig geht’s doch auch!

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Mi, 10. Juli 2019

Kolumnen (Sonstige)

Viele Briten wollen keine andere europäische Sprache mehr lernen / Von Peter Nonnenmacher.

Britische Brexiteers haben einen weiteren Grund, sich der leidigen Europäer auf der Insel zu entledigen. Kinder aus anderen EU-Staaten machen britischen Schülern nämlich das Leben schwer. Einem neuen Bericht des British Council zufolge nutzen Schüler vom Kontinent ihren Muttersprachen-Vorteil, um bei Prüfungen gute Noten abzustauben. Für ein Kind, das zum Beispiel im Familienkreis Deutsch spricht, ist ein Deutsch-Examen ja kein Problem. Ein englisches Kind, das die Fremdsprache mühsam lernen muss, ist da immer im Nachteil. Manche Schulen, heißt es, legten sich durch großzügige Aufnahme ausländischer Schüler gezielt einen guten Notendurchschnitt zu.

Gleichzeitig finden Schulen es immer schwerer, Fremdsprachen-Lehrer aus dem EU-Raum zu rekrutieren. Weil ihnen die Aussicht auf den Brexit unheimlich geworden ist, bleiben Pädagogen vom Kontinent neuerdings aus.

Letzteres ist natürlich nicht der einzige Grund, warum heute in England deutlich weniger Deutsch, Französisch oder Italienisch gelernt wird als noch vor wenigen Jahren. Seit einer Verschärfung der Prüfungsanforderungen fragen sich viele eingeborene Prüflinge, ob den tückischen grammatikalischen Fallstricken fremder Sprachen nicht eher "einfachere" Fächer vorzuziehen sind. Und in der Tat ist begrenztes Interesse an Sprachen ja nichts Neues auf der Insel. Warum sich auch mühen? Englisch spricht man überall auf der Welt (und im Internet).

Und doch fürchten international orientierte Briten jetzt eine zunehmende Einsprachigkeit ihres Landes. Denn viele Eltern, das ist dem British-Council-Bericht ebenfalls zu entnehmen, sehen mittlerweile keinen Sinn mehr darin, dass ihre Sprösslinge noch andere europäische Sprachen lernen sollen. Auch Schüleraustausche und Studienreisen ins EU-Ausland sind laut Council schon jetzt weniger gefragt. Bevor der Austritt überhaupt vollzogen ist, findet er bereits in den Köpfen statt. So rückt die Welt jenseits des Kanals ein Stück weiter von England weg.