UNTERM STRICH: Erweckungen in Südafrika

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Do, 07. März 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wie ein Prediger einen vermeintlich Toten ins Leben zurückholte / Von Johannes Dieterich.

Ein Mann liegt in weiß gekleidet in einem offenen Sarg auf dem Podium eines Saales, der Hunderte Menschen fasst. Seine Augen sind geschlossen, der Mund ist weit aufgerissen. Er sei seit zwei Tagen tot, säuselt ein adrett gekleideter Prediger ins Mikrofon, um seine Hände zweimal über den leblos erscheinenden Körper schweben zu lassen. Dann ergreift er die Hüfte des Mannes und ruft: "Eliot!" Ruckartig richtet sich Eliot auf: Sein Mund noch immer offen wie ein Scheunentor, nun sind auch seine Augen aufgerissen. "Halleluja", ruft die Gemeinde und: "Hat man sowas schon einmal gesehen?"

Die Szene stammt aus keinem Monty-Python-Film, sondern hat sich jüngst tatsächlich zugetragen: In der Alleluja-Kirche des nigerianischen Pastors Alph Lukau – mitten in Johannesburgs modernstem Geschäftsviertel Sandton. Wunder werden von dort immer häufiger gemeldet: Manche Gläubige wurden von Aids geheilt, nachdem ihnen ein Prediger Insektenmittel ins Gesicht gesprüht hat, andere genesen, weil sie Benzin getrunken haben. Doch dass ein Toter vor laufender Kamera wieder zum Leben erweckt wird, kommt auch am Kap der Guten Hoffnung selten vor. Alph Lukau war sich seiner Sache so sicher, dass er die Aufzeichnung seiner übernatürlichen Kräfte sogleich auf seine Facebook-Seite hob. Doch die PR-Kampagne von Lukau, der zu seinen Gottesdiensten im weißen Rolls Royce vorzufahren pflegt, war nach hinten losgegangen. Was gewiss auch daran lag, dass man Eliot schon vor seiner Erweckung auf dem Mitschnitt atmen sehen konnte. Und in der Jackentasche trug er – zuweilen sichtbar – sein Handy. Südafrikas Staatspräsident rief nun dazu auf, "das Land von religiösen Schwindlern zu befreien". Vor der Alleluja-Kirche tauchte schließlich Pastor Motsoeneng, ein anderer landesweit bekannter Wundertäter, in seiner Luxuskarosse auf, um sich von Kameras umringt auf den Asphalt zu knien und Lukau auf die ultimative Probe zu stellen: "Komm mit zum Grab von Nelson Mandela und zeig dort, was Du kannst."