UNTERM STRICH: Finstere Gesellen in Notre-Dame

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Di, 24. März 2020

Unterm Strich

Bauarbeiten an der Pariser Kathedrale sind wegen des Coronavirus gestoppt / Von Knut Krohn.

Die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame liegt noch immer wie ein waidwundes Tier auf der Île-de-la-Cité im Zentrum von Paris. Mit kühnen Holzkonstruktionen werden die Steinbögen an der Außenmauer notdürftig abgestützt und sollen so vor dem Einsturz bewahrt werden. Doch fast ein Jahr nach der Brandkatastrophe sind in diesen Tagen die Arbeiten zum Erliegen gekommen. Der Grund, wen wundert es, ist das Coronavirus. "Die Schutzmaßnahmen, die die Arbeiter wegen der Bleibelastung einhalten müssen sind schon sehr hoch", erklärt Ariel Weil, Bürgermeister des 4. Arrondissement, und es könne nicht noch eine zusätzliche Sicherheitsstufe wegen der Pandemie draufgesattelt werden. Also habe man sich schweren Herzens entschlossen, die Arbeiten ganz ruhen zu lassen.

Ein ungünstiger Moment. Die Arbeiter wollten damit beginnen, das Metallgerüst zu demontieren, das noch immer auf dem Dach der Kathedrale liegt. In der Brandnacht war die rund 300 Tonnen wiegende Konstruktion geschmolzen und lastet nun auf dem Gewölbe, das deswegen droht zusammenzubrechen. Zudem sollte das Dach abgedichtet und mit der Reinigung des Innenraumes begonnen werden. Geplant war auch, die Orgel zu demontieren und zu restaurieren. Das alles muss nun warten, bis die für ganz Frankreich geltende Ausgangssperre aufgehoben wird.

Die Tücke dabei: Nun werden finstere Gesellen angelockt. In diesen Tagen wurden vom Sicherheitsdienst zwei Männer ertappt, die sich im Inneren zu schaffen machten. Beim Anrücken der Polizei versteckten sie sich unter einer Bauplane. In einer großen Tasche hatten die Diebe Steine dabei, die sie offensichtlich verkaufen wollten. Für die Verantwortlichen ist das keine Überraschung, weshalb das Bauwerk auch rund um die Uhr bewacht wird. "Notre-Dame war schon immer ein Mythos", erklärt André Finot, Sprecher von Notre-Dame. "Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt für diese Dinge, man findet sogar Steine von der Kathedrale, die auf Ebay zum Kauf angeboten werden."