UNTERM STRICH: "Ich brauch’ Krawatten..."

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 26. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft verzichtet auf ein Geschenk / Von Alexander Dick.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie Ihre letzte Krawatte verschenkt? Oder geschenkt bekommen? Im legendären Loriot-Sketch "Weihnachten bei Hoppenstedts" packt der Papa missmutig noch eine nach der anderen aus. Das war 1978. In jenen Zeiten beklagte sich der Satiriker Georg Kreisler in seinem Chanson "Der Musikkritiker": "Zu Weihnachten schenkt man mir immer Platten/ Ich brauch’ Krawatten..." Verkehrte Welt: Die einen kriegen sie, die anderen wollen sie.

Die Dritten lassen es jetzt einfach. Das sind die, die uns in Brüssel bei der EU vertreten und zur Jahresmitte die Ratspräsidentschaft übernehmen. Beim letzten Mal, als das der Fall war, 2007, verschenkte die deutsche Administration Krawatten: dezent hellblau, mit sich darauf in allen vier Himmelsrichtungen tummelnden kleinen D’s, in die die landestypischen Farben Schwarz, Rot und Gold hinein gestickt waren. Wie die Deutsche Presseagentur jetzt knallhart recherchiert hat, müssen die Partner, Gäste und Freunde der kommenden deutschen Ratspräsidentschaft auf das Präsent verzichten. Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, habe eingeräumt, dass die "Krawatte 2007 nicht unbedingt modische Maßstäbe" setzte. Nun ja, bei Designer-Krawatten denkt man an Armani, Gucci, Saint Laurent – aber an die Bundesrepublik Deutschland? Man tut sich auch schwer mit der Vorstellung, was von der EU-Ratspräsidentschaft solchermaßen Beschenkte mit deutschen Krawatten anfangen sollen. Zum Beispiel ein Donald Trump. Babyblaues statt rotes Gehänge, darauf schwarz-rot-goldene D’s – wie Donald? Übrigens: Laut Herrn Roth will die deutsche EU-Ratspräsidentschaft keinen "großen Präsenttisch" mehr. Stichwort Nachhaltigkeit. Im Bundestag ist die übrigens schon so vorangeschritten, dass nicht einmal mehr Schriftführer einen Schlips tragen müssen. Armer Loriot, glückliches Europa.