UNTERM STRICH: Kräuter for Future

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Di, 10. September 2019

Kolumnen (Sonstige)

Warum Spitzwegerich unser Klima retten und Kühen schmecken soll / Von Michael Saurer.

Das mit dem Bohneneintopf ist so eine Sache – in vielerlei Hinsicht. Zum einen ist da der kulinarische Aspekt, denn normalerweise ist diese Hausmannskost nichts, hinter dem man eine wahre Geschmacksexplosion vermuten würde.

A propos Explosion, und damit kommen wir auf den anderen Aspekt zu sprechen, den man beim Thema Bohneneintopf nicht unterschlagen darf. Bekanntlich sollen die Bohnen bestimmte Gase in der Magen-Darm-Gegend fördern, die dann – mal mehr, mal weniger explosiv – sich ihren Weg in die Freiheit bahnen. So weit, so harmlos. Denn nach allem, was man bislang weiß, ist der Mensch zwar Hauptverursacher klimafeindlicher Gase, aber seine körpereigenen tragen wohl nicht maßgeblich zur Klimaerwärmung bei.

Ganz anders sieht das bei Rindern aus. Die produzieren für uns hektoliterweise Milch und schaffen – in Scheiben geschnitten und auf den Grill geworfen – die Geschmacksexplosion, die der Bohneneintopf nicht hinkriegt. Mit den körpereigenen Gasen steht die nicht in Verbindung. Tatsache ist aber, dass im Magen der Tiere haufenweise klimaschädliches Methan produziert wird – 25 Mal so schädlich wie normales Kohlendioxid (CO2). Und da so eine Kuh um die 190 Liter Methan am Tag produziert, kommt da einiges zusammen.

Was tun? Aus Gründen des Klimaschutzes alle Rinder notschlachten? Geht nicht, da würden Fleischfreunde, Tierschützer und Inder gleichermaßen Sturm laufen. Einen Katalysator einbauen? Geht auch nicht. Doch nun haben Forscher der Uni Kiel einen Weg gefunden, den Methanausstoß der Tiere zu reduzieren. Durch eine Kräutermischung, die ihrem Futter beigefügt wird und die den Gasausstoß um 20 Prozent senken soll. Spitzwegerich ist dabei, Wiesenkümmel und Rotklee. Die Wissenschaftler haben sich offenbar durch die Botanik durchexperimentiert. Bleibt fürs Klima zu hoffen, dass sie den Tieren nicht auch noch Bohnen vorgesetzt haben.