UNTERM STRICH: Lob aus London

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 12. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Was der Brexit mit der Kaiserstuhlbahn zu tun haben könnte / Von Dominik Bloedner.

Am Tage zwölf nach dem Brexit müssen wir uns schon wieder fragen: Was ist bloß mit den Briten los? Mit dieser stolzen Nation der Seefahrer, Eroberer und Globetrotter? Mit der Nation, die, daran sei hier erinnert, den Begriff Tourismus überhaupt prägte, weil sie im 18. und 19. Jahrhundert ihre versnobten Sprösslinge auf die European Grand Tour, die Bildungsreise quer durch Europa, schickte? Und die einen Pionier wie Thomas Cook hervorbrachte, der einst das weltweit erste Reisebüro gründete und die Pauschalreise erfand? Dass dessen Nachfahren vergangenen September die Segel strichen und Zigtausende sonnenrotverbrannter Briten in den Bettenburgen dieser Welt zurückließen, zeigt, dass heutzutage offensichtlich Expertise in Sachen Reisen fehlt.

Auch im Kaiserstuhl ist nun eine britische Touristin, sie heißt Ashlyn und war für die altehrwürdige, linksliberale Londoner Zeitung "The Guardian" unterwegs, irgendwie gescheitert. Vergangenen Freitag, sieben Tage nach der Abkehr von Europa, erschien dort im Online-Reiseteil eine Liste der zehn schönsten ländlichen europäischen Bahnstrecken. And the winner is: S-Bahn around Freiburg, Germany, which connects the medieval towns of the Kaiserstuhl hills.

Dass das entsprechende Foto einen Zug in Schiltach im Kinzigtal zeigt, geschenkt, shit happens, wie der Engländer sagt. Dass "brightly coloured Alsatian-style houses" die Strecke säumen, wie Ashlyn behauptet, verzeiht man ihr, die Häuser im Elsass sind nicht weit. Aber dass man kreisförmig mit der Bahn um den Kaiserstuhl ruckeln kann, das stimmt leider nicht. Denn monatelang ging da nichts, auch seit der Wiedereröffnung der Teilstrecke Endingen – Gottenheim – Freiburg geht mitunter noch wenig. Am Montag soll die Strecke Gottenheim–Breisach dem Verkehr übergeben werden. Wer dann dort bibbert und auf den späten Zug wartet, der mag sich am Lob aus London erwärmen und sich über die Briten freuen, die bald scharenweise einfallen – solange sie das noch problemlos dürfen.