UNTERM STRICH: Präsidentenflieger im Vorgarten?

Sandra Weiss

Von Sandra Weiss

Di, 25. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Mexikos Staatschef verlost symbolisch den Luxusjet seines Vorgängers / Von Sandra Weiss.

Dass ein Staatschef den Großteil einer Pressekonferenz dazu nutzt, die Bürger zur Teilnahme an einer Lotterie aufzufordern, ist kurios. Noch kurioser ist, wenn er dabei den Präsidentenjet seines Vorgängers zum Hauptpreis erklärt – zumindest symbolisch, denn in Wirklichkeit bekommt der Gewinner nicht den ehemaligen Regierungsflieger, sondern Geld. Und zwar längst nicht so viel wie die 130 Millionen Dollar, die die vier Jahre alte Boeing 787-8 Dreamliner wert ist. Ach ja, organisiert wird all das von einem "Institut zur Rückgabe des Geraubten an das Volk".

Ort des Geschehens ist dieser Tage Mexiko, mit dem linksnationalistischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador in der Hauptrolle. Er hatte im Wahlkampf der Verschwendung den Kampf angesagt. Den luxuriösen Präsidentenflieger seines Vorgängers loszuwerden war ein besonders zugkräftiges Versprechen. Seit über einem Jahr amtiert López Obrador nun, doch ein Käufer für das Fluggerät war partout nicht aufzutreiben. Auch niemand, der es ersteigern oder mieten wollte – nicht einmal die Pannen geplagte Flugbereitschaft der Bundeswehr. Ein Jahr lang stand der Flieger ungenutzt in den USA zur Generalüberholung, bevor er nach Mexiko zurückgeholt wurde.

Doch weil die Wartungskosten ein gefundenes Fressen für Kritiker sind, kam López Obrador die Idee mit der Verlosung. Das sorgte umgehend für Spott. Gefragt wurde etwa, in welchem Vorgarten ein Sozialhilfeempfänger oder ein indigener Bergbauer so ein Gerät parken werde. Bei einem Preis von umgerechnet 25 Dollar pro Los dürfte dies eher ein hypothetisches Problem sein. Aber auch nicht jeder mexikanische Angestellte oder Unternehmer hat einen Hangar. Deshalb, enthüllte der Direktor des "Instituts zur Rückgabe des Geraubten an das Volk", Ricardo Rodríguez, werde der Flieger nur symbolisch versteigert. Der Gewinner bekomme Bargeld, das Flugzeug bleibe in Obhut der Streitkräfte. Das Wahlversprechen ist damit zwar nicht eingelöst, aber auch nicht mehr gebrochen.