Wasserstoff

Es kommt eben nicht immer alle Energie am Antriebsrad an

Michael Konstanzer

Von Michael Konstanzer (Freiburg)

Sa, 01. August 2020

Leserbriefe

Zu: "Das Ziel ist mitzuregieren", Interview von Axel Habermehl und Jens Schmitz mit Hans-Ulrich Rülke (Politik, 18. Juli)
Herr Rülke bringt immer wieder das Thema Wasserstoff in Verbindung mit Verbrennungsmotoren in die öffentlichen Diskussionen ein. Dabei ist es jedem halbwegs physikalisch und logisch denkenden Menschen klar, dass der Weg über den Wasserstoff CO2-neutral nur gelingt, wenn wir den Wasserstoff aus regenerativem Strom erzeugen können.

Und das ist erst dann sinnvoll, wenn dieser Strom dafür im Überfluss vorhanden ist und nicht woanders dafür abgezwackt werden muss. Und dann muss dieser Strom auch optimal genutzt werden können. Als Beweis von Herrn Rülkes Schieflage dienen die nachprüfbaren Zahlen der Wirkungsgrade, die bei der Herstellung von Wasserstoff und dem Verbrennen im Verbrenner-Auto berechnet werden. Es kommen von ursprünglich 100 Prozent der Stromenergie dann nur noch circa zehn Prozent am Antriebsrad des Autos an.

Beim BEV (batterieelektrische Autos) sind das aber circa 73 Prozent. Also wäre es doch wohl auch im Interesse der FDP als Wirtschaftspartei klüger, den regenerativen Strom in BEV’s zu "tanken" und vorläufig keinen Wasserstoff in Autos zu verbrennen. Auch bei mit Wasserstoff betankten Brennstoffzellen-Autos kommen nur circa 25 Prozent am Antriebsrad an. Das bedeutet für den Laien ausgedrückt: Mit einer Kilowattstunde Strom ins BEV geladen, kommt man 7,3 mal weiter, als wenn die eine Kilowattstunde Strom in Form von Wasserstoff ins Verbrenner-Auto getankt wird. Unsere Regierung weiß deshalb sehr wohl, weshalb sie die BEV so stark fördert.

Herrn Rülke wurde der Zusammenhang schon viele Male geschrieben und gepostet. Aber er verschweigt hartnäckig diese Fakten. Ist das sein Politik-Stil, um die Verbrenner-Auto-Industrie zu retten? Die FDP macht er damit nicht regierungsfähig. Nach meiner Meinung schlimm ist daran, dass viele Menschen dieser Politik dann auch noch Glauben schenken.
Michael Konstanzer, Freiburg