Bevölkerungswachstum

Lobbyarbeit für Agrarkonzerne ist kontraproduktiv

Hartmut Mohr

Von Hartmut Mohr (Ettenheim)

Mo, 18. November 2019

Leserbriefe

Zu: "Es sollte auch auf Genmais gesetzt werden", Interview von Jan Dörner mit Christoph Hoffmann (Politik, 7. November)

Christoph Hoffmann schlägt vor, die prekäre Ernährungssituation auf dem afrikanischen Kontinent mit dem Anbau von Genmais und dem Einsatz von Kunstdünger zu verbessern. Eine Empfehlung, die die afrikanischen Bauern in die Abhängigkeit der Agrarchemiekonzerne treiben würde, aber ganz gewiss keine nachhaltige Lösung für die dortige Landwirtschaft darstellt.

Kunstdünger trägt über die Freisetzung von Lachgas und Humusabbau erheblich zum Klimawandel bei und ist zusammen mit dem Einsatz von Pestiziden wesentlich für das Artensterben in der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft verantwortlich. Deutschland drohen wegen seines exzessiven Einsatzes von Kunstdünger und in der Folge zu hoher Nitratwerte im Grund- und Trinkwasser Strafzahlungen von rund 300 Millionen Euro im Jahr. Während hierzulande und auf EU-Ebene im Rahmen der "Gemeinsamen Agrarpolitik" über eine Trendwende in der Landwirtschaft gestritten wird, versucht Hoffmann, die verfehlte Agrarpolitik der zurückliegenden Jahrzehnte zum Exportschlager zu machen. Damit widerspricht er auch den Empfehlungen des Weltagrarberichts der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft. Demgemäß wird nur eine nachhaltige, sich an den lokalen Ressourcen orientierende bäuerliche Landwirtschaft die Welternährung künftig sichern.

Ursächlich für die oft fatale Ernährungslage in Afrika sind unter anderem eine verfehlte, sich teils nur an eigenen nationalen Wirtschaftsinteressen ausrichtende Entwicklungspolitik und die Auswirkungen des sich verschärfenden Klimawandels mit zunehmenden Dürreperioden. Hier muss auf wirksame Lösungsansätze hingewirkt werden. Lobbyarbeit für Agrarkonzerne ist dagegen kontraproduktiv. Hartmut Mohr, Ettenheim