Sparkassen

Persönliche Nähe ist wichtig und wird nachgefragt

Gerhard Kresbach

Von Gerhard Kresbach (Staufen)

Sa, 01. August 2020

Leserbriefe

Zu: "Gute Gründe", Beitrag von Bernd Kramer (Politik, 9. Juli)
Neben den vielen Gründen, die für die Schließung von Sparkassen-Filialen gerade im ländlichen Gebiet sprechen mögen, gibt es viele Gründe für die Aufrechterhaltung, die in einem Kommentar Erwähnung finden sollten, nicht nur für die impliziert technik-feindliche Gattung "Oma und Opa", um die sich Ihrer Aussage nach die Sparkasse weiter kümmern wird, was sie offenbar ja gerade nicht tut. Kunden nutzen nicht immer freiwillig

"Analoge" Dienstleistungen werden dem Kunden teuer verrechnet. Ein gutes schlechtes Beispiel sind die Überweisungsbelege, die digital eingescannt und verarbeitet werden und nur bei Fehlern auf das Auge eines Menschen treffen. Gemeinsame Filialen werden nur in "Notsituationen" eröffnet und dann gern und bald wieder geschlossen. Hat man wirklich Angst vor dem lokalen Mitbewerber? Die Konkurrenz liegt eher bei kostengünstigen kompletten Online-Banken. Kreative Lösungen, die Serviceleistungen erfordern, werden nicht gesucht und auch nicht gefunden. Offenbar ist es schwierig, außerhalb eingefahrener Bank-Gleise zu denken und in Richtung breiter angelegtes Servicezentrum zu arbeiten. Nicht alles ist online-fähig oder besser. Beratungen gibt es meist nur auf Voranmeldung – und sie tendieren gern in Richtung Verkaufsgespräch. Man kann für gute Beratung auch bezahlen – das ist zum Beispiel bei durch Banken durchgeführten Immobiliengeschäften durchaus üblich. Schlechte Beratung gibt es online billiger; persönliches Vertrauen vor Ort unabhängig vom Lebensalter ist kaum zu ersetzen. Identitätsnachweis wie Post-Ident gibt es nur bei der Post – warum nicht bei den halböffentlichen Sparkassen? Haben Sie letzthin versucht, Devisen zu kaufen oder zurück zu tauschen? Gibt’s nur bei Spezialbanken. Das Geld-abheben am Automaten ist nicht ohne Risiko. Passiert bei einer persönlichen Übergabe nicht. Und Geld einzuzahlen? Eine sichere und schnelle Alternative zu nur von Spezialanbietern durchgeführten Sofortüberweisungen ins ferne Ausland oder in Notfällen? Ohne Worte.

Die Vermeidung eines schlechten Rufs ist kein großer Motivator – ein guter Service zu einen fairen Preis schon eher. Dass persönliche Nähe wichtig und nachgefragt wird, haben die Ereignisse in letzter Zeit gezeigt. Nur ein Beispiel einer positiven Auswirkung des persönlichen Kennens in einer kleineren Bankfiliale: Eine ältere Verwandte bekam einen Anruf einer Bankangestellten, ob die Überweisung eines höheren Betrags nach Osteuropa in Ordnung gehe. War okay. Ein Computeralgorithmus hätte entweder die Überweisung vollführt – oder kommentarlos gestoppt. Das Konto bei dieser Filiale wird so lange wie möglich aufrechterhalten. Gerhard Kresbach, Staufen