Artenschutz-Volksbegehren

Sie machen noch mehr, wenn sie davon leben können

Kurt Moritz

Von Kurt Moritz (Kandern)

Mi, 09. Oktober 2019

Leserbriefe

Zu: "Wie radikal darf Artenschutz sein?", Interview von Katharina Meyer und Jörg Buteweg mit David Gerstmeier, Werner Räpple, Alexandra-Maria Klein und Johannes Steidle (Politik, 25. September)
Das grüne Kreuz steht für die Sorgen der landwirtschaftlichen Familien um die Zukunft ihrer Betriebe! Landwirtschaft bedeutet Nachhaltigkeit über Generationen, wird aber pauschal und oft allein für das Artensterben verantwortlich gemacht. Der Lebensraumverlust durch die Versiegelung für den Wohnbau oder die Zunahme an Steingärten, die Landschaftszerschneidung durch den Straßenbau mit immer größerem Verkehrsaufkommen und die Lichtverschmutzung durch Gewerbebetriebe und Wohnsiedlungen, die ebenfalls den Insekten schadet, werden zumeist verschwiegen.

Arten- und Naturschutz sind den Landwirten wichtig, denn sie brauchen die Bienen und andere Insekten für die Bestäubung vielfältiger Kulturen. Beides geht nur mit der Landwirtschaft! Viele Landwirte bauen neben ihren Hauptkulturen blühende Zwischenfrüchte an, pflegen Ackerrandstreifen und Hecken, lassen Flächen brach liegen, erhalten Streuobstwiesen, wenden bis zu fünfgliedrige Fruchtfolgen an, mähen auch extensive Wiesen, praktizieren Kulturlandschaftserhaltung, setzen im Obst- und Weinbau Pheromone für die biologische Schädlingsbekämpfung ein und stellen noch die Versorgung einer wachsenden Bevölkerung mit Lebensmitteln sicher.

Sie machen auch noch mehr, wenn sie davon leben können! Aber ohne Pflegemaßnahmen und Pflanzenschutz können keine Ackerkulturen, Obstanlagen, Weinberge, Streuobstwiesen und Wälder erhalten werden; dies gilt für den ökologischen wie auch konventionellen Landbau. Der ökologische Landbau kann von heute 14 Prozent nur entsprechend der Nachfrage ausgeweitet werden. Eine gesetzlich verordnete Anhebung auf 50 Prozent bis 2035 wird durch die fallenden Preise die Existenz kleiner Familienbetriebe zerstören. Dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" darf nicht zugestimmt werden. Die Landwirte wollen mit einer verständnisvollen Bevölkerung den Artenschutz verbessern und den Bestand der landwirtschaftlichen Familienbetriebe sichern.Kurt Moritz, Kandern