Strommarkt

Treue Kunden zahlen Boni für die Vielwechsler

Dieter Eiermann

Von Dieter Eiermann (Müllheim)

Mi, 16. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Neue Hürde für Vielwechsler?", Agenturbeitrag (Wirtschaft, 9. September)

Bei den in der Bundesrepublik tätigen politischen Parteien findet man noch einige programmatische Unterschiede. Die Mehrheit hat leider entschieden, dass der Strommarkt dem freien Wettbewerb überlassen wird. Man beruft sich auch auf die Europäische Union dabei.

Nahezu alle Anbieter werben neue Kunden mit einem Bonusversprechen an, um nach abgelaufener Frist, meist einem Jahr, den Preis für den Strom zu erhöhen. Die dem Stromkunden mögliche Kündigung wegen dieser Preiserhöhung lässt den Vielwechsler entstehen, indem dieser jedes Jahr durch Wechsel des Lieferanten einen Bonus in Anspruch nimmt. Es gibt Dienstleister, die für eine kleine Gebühr den Service anbieten, die Prozedur des Wechsels durchzuführen. Das erspart dem Stromkunden das lästige Suchen. Bei diesem System wird tatsächlich immer der gleiche Strom geliefert und von verschiedenen Leuten verkauft. Sie handeln den ungeschriebenen Gesetzen des guten Kaufmanns zuwider, nämlich Kundentreue zu belohnen. Im Gegenteil benutzen sie den treuen Kunden dazu, den Untreuen die Boni zu finanzieren. Kein Wunder, dass es nun Überlegungen gibt, wie man dieses Karussell abstellen kann.

Mein Vorschlag an die Stromlieferanten: Kalkulieren Sie einen redlichen Preis, der Ihrem Leistungsvermögen entspricht, und halten Sie diesen Preis so lange wie möglich unangetastet. Belohnen Sie die Treue von Kunden durch einen Bonus – und nicht die Neukunden. Auf die Dauer werden Sie mit dieser Maßnahme siegen. Mein Vorschlag an die Politik: Sorgen Sie dafür, dass die Stromversorgung wieder Sache des Staates ist, und dass mit Stromlieferung kein Profit gemacht werden soll. Verteilen Sie die Umlage für die Förderung der Erzeugung erneuerbarer Energie auf alle Schultern, auch die der Großabnehmer. Dieter Eiermann, Müllheim