Schule

Wann sind wir als Gesellschaft bereit, Solidarität auch für die Jüngsten zu zeigen?

Gesa Schwerdtfeger

Von Gesa Schwerdtfeger (Lörrach)

Mo, 01. März 2021

Leserbriefe

Zu: "Feste Gruppen und Wechselunterricht", Beitrag von Axel Habermehl (Thema des Tages, 12. Februar)

Die Bildung als – neben der Gesundheit – das wichtigste Gut in unserer Gesellschaft wird seit Monaten ausgesetzt. Schon Homeschooling war und ist kein adäquater Ersatz zum Präsenzunterricht. Es darf allenfalls eine Notlösung sein.

Die Folgen sind mittlerweile auch in gut situierten Familien spürbar. Die Eltern am Rand des Nervenzusammenbruchs, die Kinder nach sechs Stunden vor dem Computer haben Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden und zeigen teilweise aggressives Verhalten. Nie hätte ich so etwas vor dem Lockdown bei meinen Kindern geduldet. Wenn ich es hochrechne, dann hat mein Kind seit einem Jahr maximal sechs Wochen normalen Unterricht gehabt. Das ist unserer Gesellschaft die Bildung unserer Kinder wert.

Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Schulen weiterhin nicht voll geöffnet werden. Wechselunterricht für Grundschüler ist kein normaler Unterricht und sowohl für die Lehrer als auch die Eltern und Kinder eine Zumutung. Die Großen müssen noch warten, dürfen aber schon mal zum Schreiben von Klassenarbeiten in die Schule kommen. Da wird auf die Kinder Druck ausgeübt, der meines Erachtens nicht angemessen ist in dieser Zeit. Man sollte die Kinder stattdessen erstmal wieder in die Schulen kommen lassen und sehen, wie es ihnen geht und wo sie aktuell im Wissensstand stehen.

Wie kann es sein, dass unsere Nachbarländer unbedingt vermeiden, die Schulen zu schließen? Dort gehen die Zahlen zurück. Im Gegensatz zu Deutschland hat die Schweiz und auch Frankreich aus dem ersten Lockdown gelernt. Noch mehr beschäftigt mich die Frage, wie es weitergehen soll? Alles so wie vorher? Wann wird nachgeholt, was die Kinder in dem Jahr nicht gelernt haben? Wo sind die Konzepte? Was machen wir mit Kindern, die in dem Jahr nichts gelernt haben, weil sie kein Elternhaus haben, das sie unterstützen kann? Wann sind wir als Gesellschaft bereit, Solidarität auch für die Jüngsten der Gesellschaft zu zeigen? Wann sind wir bereit, mehr in das Bildungssystem zu investieren? Hier sitzt die Zukunft unseres Landes. Gesa Schwerdtfeger, Lörrach