Migration ist Teil unserer Geschichte

Helmut Rothermel

Von Helmut Rothermel

Sa, 16. März 2019

Waldkirch

Buchvorstellung "Menschen in Bewegung".

WALDKIRCH. Viele der heute in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Die Zuwanderung ist dabei nicht nur ein Phänomen der letzten Jahrzehnte. Das von Juliane Geike und Andreas Haasis-Berner herausgegebene Buch "Menschen in Bewegung" begibt sich auf Spurensuche nach Einwanderern in den ländlichen Raum des Elztals und der Region seit dem 18. Jahrhundert. Besonders im 19. Jahrhundert spielte auch die Auswanderung nach Amerika eine wichtige Rolle, die ebenfalls beleuchtet wird. Das Werk wurde von den Herausgebern im Waldkircher Orgelbauersaal vorgestellt.

Die elf Beiträge des Buches bieten ein aufschlussreiches und vielfältiges Bild über die Migration im untersuchten Zeitraum. Die Frage nach der Motivation für die Suche einer neuen Heimat in der vergangenen Zeit hilft auch dabei, die aktuellen Wanderungsbewegungen besser zu verstehen und einzuordnen. Es wird deutlich, dass Migration ein Teil unserer Geschichte war und ist, wobei sich Zielrichtungen und Intensität der Wanderungsbewegungen im Lauf der Zeit verändern. Der Blick auf das Schicksal der Menschen in Dörfern und Kleinstädten zeigt zugleich im Kleinen die Auswirkungen der großen Geschichte. Übergeordnete Themen des Buches sind neben der Aus- und Einwanderung die Lebensverhältnisse der Leibeigenen im 18. Jahrhundert sowie des "fahrenden Volks".

Die Auswanderung wird thematisiert in den Aufsätzen über die Massenemigration nach Nordamerika um die Mitte des 19. Jahrhunderts (Wolfgang Gall), die befristete Arbeitsmigration Kinzigtäler Flößer nach Österreich (Hans Harter), die Auswanderung eines Buchholzer Revolutionärs an die Niagara-Fälle (Frank Paske, Hansjörg Fräulin) und von Simonswäldern nach Australien und Amerika (Hans-Jürgen Wehrle) sowie die erzwungene Auswanderung von Deutschen aus dem Elsass nach dem Ersten Weltkrieg (Günther Klugermann). Ein Beitrag behandelt die Auswanderung des Seilers Andreas Rübmann von Denzlingen nach Iowa (Kurt Hochstuhl, Dieter Ohmberger).

Mit der Einwanderung beschäftigen sich die Aufsätze über die innerdeutsche Zuwanderung nach Yach und Elzach während des Zweiten Weltkriegs und nach 1945 (Heiko Haumann), über die um 1900 nach Yach zugewanderten italienischen Steinhauer (Jürgen Herr, Karl Tränkle) sowie eine Flucht von Ostpreußen nach Friesenheim (Anja und Uwe Schellinger). Ein Aufsatz behandelt die Auflösung der Leibeigenschaft in der Herrschaft Triberg als Auslöser ländlicher Migration (Karl Volk).

Ein umfangreicher Beitrag berichtet über Schaustellerfamilien im 19. und 20. Jahrhundert, die als "fahrendes Volk" aus beruflichen Gründen ständig mobil waren (Ulrich F. Opfermann). Die meisten Beiträge sind überarbeitete Texte von Vorträgen, die beim 4. Tag der Regionalgeschichte 2017 in Yach gehalten wurden und nun als vierter Band der Schriftenreihe "Lebenswelten im ländlichen Raum. Historische Erkundungen in Mittel- und Südbaden" veröffentlicht wurden.

Das Buch: Menschen in Bewegung. Herausgegeben von Juliane Geike und Andreas Haasis-Berner. Verlag Regionalkultur, 2019. 237 Seiten. 22,80 Euro.