Videobeweis im Fussball

Mir wird vorgeschrieben, wann ich mich freuen darf

Thilo Pohl

Von Thilo Pohl (Wehr)

Mo, 15. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Es bleibt nervig", Beitrag von René Kübler (Sport, 1. Februar)

René Kübler spricht mir aus dem Herzen, wenn er den Videobeweis nur noch nervig nennt. Ich gehe sogar eins weiter und sage, er macht den Fußball kaputt. Vielleicht bin ich ein Fußball-Romantiker, aber war es früher nicht richtig "geil" wenn wir ein Tor geschossen haben und wir jubelnd, kreischend und voller Emotionen unsere Sitznachbarn oder irgendwelche unbekannten Leute umarmten und dies alles ein unglaubliches Glücksgefühl erzeugte.

Und heute? Aha, Tor für uns "gut", aber was macht der Schiri, der Linienrichter, freuen sich die Spieler, was sagt Köln, minutenlanges Warten, TV-Bilder anschauen. Okay zum Glück, aber gibt es Freude? Ja, ein bisschen. Oh Gott, jetzt wird mir schon vorgeschrieben, wann ich mich freuen darf. Aber davon lebt doch der Fußball. Ich akzeptiere lieber jede Fehlentscheidung gegen mein Team, wenn ich mich dann im umgekehrten Fall uneingeschränkt und spontan freuen darf.

Was nützt uns ein Videoschiri, wenn wie gegen Wolfsburg ein klares Foul dem Tor vorausgeht oder wenn wie bei MG gegen VFB der eigene Mann den Stürmer foult und dann jeweils die falsche Entscheidung erfolgt, von den vielen Handspielfehlern ganz zu schweigen. Also bezahlen wir für ein nicht perfektes Instrument, das nie perfekt sein wird und kann, mit unserer Freude am Fußball, mit unseren Emotionen. Gleichzeitig tun mir die Schiedsrichter leid, die an den Kölner Fäden hängen und definitiv zu deren Marionetten degradiert wurden.

Und ja, lieber René Kübler man sollte nicht resignieren, auch wenn man sich schon daran gewöhnt hat, aber schlecht bleibt schlecht, ohne Aussicht auf Besserung. Thilo Pohl, Wehr