Mit Algorithmen auf Spurensuche

Yvonne Würth

Von Yvonne Würth

Sa, 18. Januar 2020

Stühlingen

Felix Laumann aus Stühlingen entwickelt mit zwei früheren Kommilitonen erfolgreiches Spezialcomputerprogramm.

STÜHLINGEN. Der 29-jährige Felix Laumann aus Stühlingen ist Firmengründer in London und Indien. Im BZ-Gespräch stellt er die Firma NeuralSpace vor. Das zehnköpfige Team der drei Gründer Felix Laumann aus Stühlingen, Ayushman Dash aus Mumbai und Kumar Shridhar aus Neu Delhi in Indien erstellt Computerprogramme, die es möglich machen, aus Texten spezielle Informationen herauszusuchen, was bislang einzigartig ist.

Zum Beispiel könne man den Jahresbericht einer Firma den Algorithmus des Unternehmen NeuralSpace geben, erläutert Felix Laumann. Man möchte aber nicht mehr als 100 Seiten lesen, um bestimmte Informationen herauszufinden. Stattdessen schreibt man wie in einer E-Mail oder einer WhatsApp eine Nachricht an das Programm mit der entsprechenden Wissensanfrage. Das Programm beantwortet dann diese Frage.

Eine der Besonderheiten an dem Programm sei, dass diese Algorithmen nicht nur englisch und deutsch verstehen, sondern in 36 verschiedenen Sprachen, darunter Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Hebräisch, oder Hindi, Urdu, Tamil, und Gujarati arbeiten können. "Diese letzten vier Sprachen werden in Indien gesprochen und unsere Programme sind darin besser als Programme einiger Weltmarktführer", zeigt sich Felix Laumann überzeugt. Dass er derart viel mit Sprachen zu tun haben würde, wäre ihm während seiner Schulzeit nie eingefallen. Legte er doch mit zwei Punkten im Fach Englisch sein Abitur am Klettgau-Gymnasium Tiengen mangelhaft ab. Ein Jahr Auslandsaufenthalt in Kanada hatte dieses Sprachendefizit allerdings wieder aufgeholt. Dort nahm er Jobs an, vom Tellerwäscher bis zur Bedienung im Ski-Gebiet, und verbesserte sein Englisch. Während des Studiums in Dänemark verstand er sich mit zwei Studienkollegen aus Indien so gut, dass vor zwei Jahren dann erste Ideen für NeuralSpace entstanden. Vor eineinhalb Jahren wurde die Firma gegründet mit Hauptsitzen in Stühlingen und London.

Felix Laumann lebt in London und schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit in Mathematik. "Wir stehen noch immer in der Entwicklung und verbessern ständig das Programm, aber haben es auch schon erfolgreich an unseren ersten Kunden geliefert." Dass es sich dabei um den größten Mobilfunkanbieter der Welt, die indischen Firma Jio, handelt, war für die drei Gründer eine riesige Überraschung.

Und der Brexit? "In naher Zukunft wird der Brexit keine Auswirkungen auf mich oder die Firma haben. Schon vor über einem Jahr hat sich die Regierung darauf vorbereitet und einen speziellen Immigrationsstatus für Europäer und deren Familien eingeführt, der erlaubt, dass wir weiterhin in Großbritannien behandelt werden, als wenn es zu Europa gehört. Das ist für fünf Jahre gültig und danach kann jeder Einwanderer die englische Staatsbürgerschaft beantragen." Was die Zukunft bringt, müsse man abwarten.

Weitere Infos im Internet unter http://www.neuralspace.ai