Mit Aufklebern gegen den Schlandwahn

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 02. Juli 2014

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FUDDER-INTERVIEW: Warum die Grüne Jugend keinen Bock auf Partynationalismus zur Fußball-WM hat.

"Patriotismus? Nein Danke!" Mit diesem Sticker protestieren die Jungen Grünen gegen den schwarz-rot-goldenen Patriotismus während der Fußball-WM. Marius Buhl hat Felix Banaszak, Bundessprecher der Jungen Grünen, zur Aktion befragt.

Fudder: Euer Sticker suggeriert Ablehnung gegenüber Leuten, die sich auf Fanfesten, in Kneipen und beim Public Viewing zum Fußballgucken treffen. Seid ihr Spaßverderber?
Felix Banaszak: Unser Sticker soll zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem vermeintlich "unverkrampften Party-Patriotismus" anregen. Wir stellen uns gegen die Normalisierung des Gebrauchs nationaler Symbole, weil wir glauben, dass sich so mancher Krampf vielleicht besser nicht lösen würde. Wir wollen niemandem die Freude am Fußball nehmen. Aber wir glauben, dass der Spaß am Spiel auch ohne den demonstrativ positiven Bezug auf die eigene Nation auskommt.
Fudder: Ist nur deutscher Patriotismus inakzeptabel oder auch chilenischer, brasilianischer und französischer?
Banaszak: Jeder Patriotismus muss in seinem historischen Kontext betrachtet werden. Insgesamt lässt sich schon sagen, dass das emanzipatorische Potential von Patriotismus und Nationalismus eher gering ist.
Fudder: Was sagen die Fans denn aus, die sich in Deutschland-Flaggen hüllen, sich mit Schminke die deutschen Farben auf die Wange malen, und Fähnchen ans Auto stecken?
Banaszak: Es gibt da sehr unterschiedliche Motivationen gibt. Uns wird ja immer wieder unterstellt, wir würden damit alle zu Nazis machen. Das hat niemand behauptet. Was wir aber meinen, ist: Sie vermitteln damit in jedem Fall einen positiven Bezug zur Nation und zu nationalen Symbolen, der aus unserer Sicht eben nicht immer unkritisch ist.
Fudder: Viele finden Patriotismus okay, erst Nationalismus finden sie gefährlich.
Banaszak: Soziologische Untersuchungen legen nahe, dass der Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus weniger groß ist als behauptet. Viele Aussagen und Ereignisse, die im Rahmen der WM geschehen, haben einen klar nationalistischen Charakter. Während der WM und in den Wochen danach steigen nicht nur die Zustimmung zu nationalistischen und rassistischen Positionen, sondern auch die Zahl der rassistisch motivierten Gewalttaten.

Das Argument, die deutsche Mannschaft bestehe ja auch aus so vielen Migranten, zieht nicht, wenn nach dem Spiel in der U-Bahn Menschen rassistisch angegangen und bedroht werden.