Adventszeit

Mit diesen neun Tipps kaufen Sie den richtigen Weihnachtsbaum

Michael Neubauer

Von Michael Neubauer

Di, 07. Dezember 2021 um 12:48 Uhr

Panorama

Jetzt geht sie bald los, die Jagd nach einem passenden Weihnachtsbaum. Der grüne Mitbewohner will gut gepflegt werden. Was sollte man beachten beim Kaufen, Lagern und Aufstellen? Hier ein paar Tipps.

Alle Jahre wieder will ein Weihnachtsbaum ausgewählt werden: Ist er eigentlich frisch, regional, empfindlich und arg durstig?

Wie lässt sich erkennen, ob der Baum frisch ist?
Es hilft ein Blick auf den Baumfuß, also auf die Schnittstelle: Je heller sie ist, umso frischer ist der Baum. "Ist sie dunkel und hat sogar Risse, ist der Baum schon vor längerer Zeit geschnitten oder schlecht gelagert worden", sagt Bernhard Bolkart, Vize-Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands. Auch wenn die Nadeln des Baums sich biegen und gräulich sind, kann das ein Hinweis sein, dass es dem Baum nicht mehr so gut geht. Ist allerdings die Nadelfarbe – etwa bei der Nordmanntanne – ein wenig verfärbt, kann das nur mit einem nährstoffarmen Boden zu tun haben, auf dem der Baum stand, und nichts mit der Frische.

Welche Bäume duften gut?
Am meisten wird die Nordmanntanne verkauft (Marktanteil von 80 Prozent), sie duftet allerdings wegen des geringen Harz-Gehalts recht wenig. Weißtanne, Fichte und Blaufichte dufteten etwas mehr, sagt Bernhard Bolkart, der selbst bei Schonach biozertifizierte Weihnachtsbäume anbaut. "Wer aber richtig Tannenduft ins Haus bringt, ist die Nobilis, auch Edeltanne genannt." Sie habe Harzgallen, die man mit dem Fingernagel aufdrücken kann, um den Duft noch zu verstärken. Auch die Riesentanne verströme einen starken Duft.

"Nicht mal ein Prozent der in Deutschland verkauften Bäume sind Bio-Bäume" Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Wie kann ich beim Baumkauf auf die Umwelt achten?
Indem man einen Baum kauft, der ohne den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln gewachsen ist. "Aber nicht mal ein Prozent der in Deutschland verkauften Bäume sind Bio-Bäume", sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Man erkenne sie am Siegel – etwa Bioland, Demeter, Naturland, dem EU-Biosiegel und dem FSC-Zertifikat für naturnahe Forstwirtschaft. "Viele andere Siegel täuschen leider nur ökologische Bedingungen vor, sie werden in der Regel auch nicht unabhängig geprüft", warnt er. Generell sei es gut, einen Baum aus der Region zu kaufen. "Wegen des kürzeren Transports ist die Klimabilanz besser, man stärkt zudem die lokale Wirtschaft."
(Infos auch unter: mehr.bz/biob)



Wie sollte man den gekauften Baum transportieren?
Das Netz schützt den Baum und seine Äste. Muss er aufs Auto geschnallt werden, dann am besten mit der Schnittstelle in Fahrtrichtung – damit nicht durch den Fahrtwind Äste abbrechen. Dauert die Fahrt aber an einem warmen Tag länger, können Schnittstelle und Baum austrocknen (eventuell den Baum in Folie einschlagen). Mit Spanngurten gut festzurren – sonst kann er bei starkem Bremsen zum Geschoss werden. Ragt der Baum mehr als einen Meter über das Autoheck hinaus, braucht er eine rote Fahne.

Wie soll man den Baum bis zum Fest aufbewahren?
"Lassen Sie ihn im Netz", sagt Bernhard Bolkart. So verdunstet nicht so viel Feuchtigkeit über die Nadeln. Man sollte ihn an der frischen, kühlen Luft an einem schattigen, windgeschützten Ort aufbewahren, ihn zum Beispiel im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon in einen Eimer mit Wasser oder feuchtem Sand stellen. Regen und Schnee findet der Baum voll in Ordnung. Vorsicht bei Frost: Wenn der Wassereimer einfriert, kann der Baum das Wasser nicht mehr aufnehmen.
"Die Leute wollen mehr vom Baum haben, manchmal auch, weil sie wegen Corona viel im Homeoffice sind." Bernhard Bolkart, Vize-Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands

Wann sollte man den Baum ins Haus holen?
Am besten erst kurz vor dem Fest. In Ländern wie Frankreich wird der Weihnachtsbaum aber schon Anfang Dezember geschmückt. Auch hierzulande stellen immer mehr Menschen den Baum schon früher auf, bemerkt Bernhard Bolkart: "Die Leute wollen mehr vom Baum haben, manchmal auch, weil sie wegen Corona viel im Homeoffice sind." Wenn man eine Nordmanntanne schon jetzt im Haus aufstelle, könne sie durchhalten bis Dreikönig – "wenn man sie nicht direkt neben die Heizung stellt". Eine Fichte mache aber eher schlapp.

Wie hält man den Baum drinnen lange frisch?
Vor dem Umzug in die warme Stube und in einen Christbaumständer: Den Baum nochmal dünn anschneiden, ein bis zwei Zentimeter reichen. "Je frischer er angeschnitten ist, desto besser zieht er Wasser." Vorsicht: "Die Hauptmenge Wasser zieht der Baum über die Rinde, man sollte also nicht so viel davon wegnehmen", rät Bolkart. Das Netz sollte man einige Stunden vor dem Schmücken abnehmen (und es dafür von unten nach oben aufschneiden): Der Baum braucht laut Christbaumverband Baden-Württemberg einen Tag, um seine Äste wieder in die richtige Position zu bringen.

Was der Baum nicht mag: einen Temperaturschock. Also ihn lieber erstmal im Treppenhaus stehen und ihn akklimatisieren lassen. Und: Jeden Tag Wasser in den Ständer geben. Ein zwei Meter hoher Weihnachtsbaum benötigt bis zu zwei Liter Wasser am Tag.

Sind Bäume mit Erdballen sinnvoll?
Viele Leute kaufen inzwischen einen Baum im Topf samt Wurzeln. Doch durch den starken Draußen-Drinnen-Temperaturwechsel und Gießfehler (zu wenig!) überleben sie selten. Ein größerer Transportaufwand und die Erosionsgefahr durch das Ausgraben der Bäume seien zudem nicht sehr umweltfreundlich, sagt Matthias Bauer.

Wo kann man Bäume selber schlagen?
Je nachdem, wie viel Schnee liegt, ermöglichen das einige Erzeuger, Förster oder Baumschulen – einfach nachfragen.

Elsässer Tradition

Tannenbäume schmücken bereits seit Jahrhunderten Kirchen und Wohnungen an Weihnachten. Das wird im Elsass in diesem Jahr ganz besonders gefeiert. Denn das kleine französische Städtchen Sélestat sieht sich als Wiege der Weihnachtsbaum-Tradition. Dort wurde er zwar nicht "erfunden", aber vor 500 Jahren erstmals schriftlich dokumentiert: "Item IIII Schillings den förstern die meyen an Sanct Thomas Tag zu hieten", notierte der Buchhalter am 21. Dezember 1521 im Rechnungsbuch des elsässischen Schlettstadts, dem heutigen Sélestat. Vier Schillinge sollten dem Förster bezahlt werden, der die Tannen (altdeutsch Meyen) des Gemeindewalds hütete. Beschrieben wird dort weiter, dass die Einwohner der Stadt kostenlos eine Tanne fällen können, um sie zu schmücken. Der Eintrag gilt als weltweit ältestes Dokument, in dem der Festbaum erwähnt wird. Das vergilbte Blatt ist im Stadtarchiv unter der Nummer CC53 inventarisiert und nicht öffentlich zugänglich. Aus Anlass der 500-Jahr-Feierlichkeiten wird es zurzeit aber in der Humanistischen Bibliothek von Sélestat ausgestellt.

Ein weiterer urkundlicher Beleg von 1539 stammt ebenfalls aus dem Elsass und erwähnt einen Weihnachtsbaum, der im Straßburger Münster aufgestellt war. Denn ursprünglich komme der Brauch, einen immergrünen Baum aufzustellen, aus der Kirche. (epd)