Mit einem Referat fing alles an

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 09. November 2022

Emmendingen

In den Toiletten in der Emmendinger Waldorfschule sind inzwischen Spender mit Hygieneartikeln.

(BZ). Mittlerweile sind alle relevanten Toiletten der Waldorfschule mit Periodenartikelspendern ausgestattet worden. Das geht aus einer Pressemitteilung der Schule hervor. Die kostenlosen Hygieneartikel in den Spendern seien vom Drogeriemarkt DM in Emmendingen gespendet worden. Vor kurzem konnte die Schülerin Mathilda Gromann, die Initiatorin der Aktion, die Pakete vor Ort in Empfang nehmen.

Die Idee zu dieser Aktion hatte Gromann, als sie ein Schulreferat vorbereitete. Für das Referat in Ethik informierte sich die Zwölftklässlerin umfassend über Periodenarmut. Daraus zog sie für sich selbst die Konsequenz, dass ihre Schule hier mit einem Beispiel vorangehen sollte, wie es richtig laufen kann. Also schrieb Mathilda einen Antrag für Periodenartikelspender an die Oberstufenkonferenz. Dieser traf dort auf offene Ohren und wurde vollumfänglich unterstützt.

Jetzt seien alle relevanten Toiletten mit Spendern ausgestattet. In ihrem Ethik-Referat über Periodenarmut hat Gromann einiges an interessanten Fakten zusammengetragen. So kostet die Periode in Deutschland etwa 2000 bis 5000 Euro pro Menschenleben, manche Quellen sprechen sogar von bis zu 20 000 Euro. Die Bundesregierung hat 2020 die Mehrwertsteuer auf Periodenartikel von 19 auf 7 Prozent gesenkt, denn Hygieneprodukte sollten kein Luxus sein.

In einigen deutschen Städten werden Periodenartikel jetzt schon kostenlos abgegeben, wie zum Beispiel in Dresden, Magdeburg oder an Düsseldorfer Schulen. In anderen Städten gibt es Pilotprojekte dazu und in manchen Städten wird das Thema noch hitzig diskutiert. In Schottland sind diese Artikel seit 2020 kostenfrei. Deutsche Universitäten wie in Heidelberg und Bonn positionieren sich zusehends und stellen auch schon kostenlose Hygieneartikel zur Verfügung.

"Menstruationsartikel dürfen kein Luxus sein, denn sie sind notwendig. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass es Klopapier und Seife auf den Toiletten gibt, denn diese Artikel sind essenziell für die Hygiene – aber sind nicht auch Menstruationsartikel essenziell für die Hygiene?", sagt Mathilda Gromann. Wie die Hygieneartikel in den Spendern nun im Alltag angenommen werden, muss laut der Waldorfschule noch weiter erprobt werden. Hier brauche es sicher noch eine "Eingewöhnungszeit".