Schönste Radtouren (12)

Mit einem S-Pedelec auf Tour durchs Markgräflerland

Petra Kistler

Von Petra Kistler

Sa, 13. Mai 2017 um 00:01 Uhr

Südwest

Was zeichnet eine tolle Fahrradtour aus? Für manche ist es die passende Einkehr. Die Genusstour von Freiburg durch das Markgräflerland hat für Besseresser einiges zu bieten.

Keine Angst vor Anstiegen! Das haben wir beim ersten Versuch mit dem E-Bike gelernt. Bei der zweiten Testtour legen wir noch eine Schippe drauf: Wir versuchen es mit einem S-Pedelec. S steht für schnell, ein S-Pedelec ist ein schnelles E-Bike. Die Elektronik stellt die Unterstützung nicht bei Tempo 25 ab, sondern geht bis 40 Kilometer in der Stunde mit.

Für alle Puristen und Bedenkenträger: Ja, wir fahren mit Hilfe. Nein, das ist kein Mofa. Nein, das Rad fährt nicht von allein. Unterstützung leistet der Motor erst, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Je stärker der Antritt, umso höher ist die Unterstützung.

Start ist am Basler Tor in Freiburg. Die erste Etappe führt durch das Hexental nach Staufen. Von Anfang an geht es bergauf. Erst sacht, hinter Au wird es für Gelegenheitsradfahrer giftig: 134 Höhenmeter müssen erklommen werden. Was kümmert’s? Aufrechtsitzend treten wir in die Pedale und erleben das Vergnügen, mit gut 20 Stundenkilometern den Buckel fast hoch zu schweben. Mit Ausnahme der Ortsdurchfahrt von Bollschweil verläuft die Route über Ehrenkirchen nach Staufen auf geteerten, breiten und gut ausgeschilderten Fahrradwegen.

Okay, korrekt war dies nicht. Rechtlich gesehen sind S-Pedelecs keine Fahrräder, sondern Kleinkrafträder. Für sie gelten eigene Spielregeln: Der Fahrer muss ein Versicherungskennzeichen anbringen, benötigt mindestens einen Mofaführerschein, zudem gilt Helmpflicht.

Viel wichtiger (und ärgerlicher) ist aber: Radwege dürfen mit S-Pedelecs nicht benutzt werden. Nicht einmal außerhalb von geschlossenen Ortschaften. Die schnellen Fahrräder sind auf der Straße aber auch nicht gut aufgehoben. Die theoretisch möglichen 45 Stundenkilometer erreicht nicht jeder Fahrer jederzeit, die meisten bewegen sich im Bereich zwischen Tempo 30 bis 35. Mit dieser Geschwindigkeit kann ein Radler den Autoverkehr durchaus behindern – und sich in Gefahr bringen. Wer sich gesetzeskonform verhält und den parallel verlaufenden Radweg ignoriert, wird von den Autofahrern scheel angesehen. Denn optisch unterscheiden sich S-Pedelecs nicht von den 25-km/h-Pedelecs.

Zurück auf die Straße. In 35 Minuten von Freiburg nach Staufen – und das, ohne sich zu verausgaben. Dafür belohnen wir uns mit einer kurzen Kaffeepause im morgendlich verschlafenen Staufen. Schließlich steht dieser Tag unter dem Motto Genusstour. Weiter geht es über Grunern und Ballrechten-Dottingen nach Sulzburg. Wer Abkühlung sucht, kann einen Besuch im Naturschwimmbad am Ende des Sulzbachtals einplanen. Wer sich für Kultur und Geschichte interessiert, sollte St. Cyriak besuchen. Die ottonische Kirche wird 993 erstmals erwähnt und gilt als eine der ältesten Kirchen Deutschlands.

Wir holen uns Appetit bei der Lektüre der ausgehängten Speisekarte des "Hirschen", registrieren unsere Sportklamotten – und treten in die Pedale in Richtung Laufen. Also zurück zum Ortseingang von Sulzburg, am Kreisel nach dem Ortsverkehr links, die zweite Abzweigung links – ein Wirtschaftsweg führt bergauf, bergab, mitten durch die Reben nach Laufen.

"Bist du schon High?" – "Nein, ich fahre Eco!" – "Schaffe ich nicht!" – "Wenn es flach ist oder bergab geht, schalte ich ganz aus!" Diesen klassischen E-Biker-Dialog werden wir an diesem Tag noch häufiger führen. Eine Verschnaufpause brauchen wir nicht, aber die Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin in Laufen ist immer einen Besuch wert. Wie gut, dass wir Fahrradkörbe mithaben. Zwei Töpfchen Oregano aus Kreta landen, gut verpackt, auf dem Gepäckträger. Und weiter geht’s nach Britzingen, wo im rundum empfehlenswerten Gasthaus "Hirschen" Stärkung wartet. Wir brauchen Energie für die nächste Etappe, die uns vom Markgräflerland an den Rhein und zurück nach Freiburg führt. Dattingen, St. Ilgen und Zienken sind die nächsten Etappenorte. Ein abgelegener Wirtschaftsweg führt über das Gewann Himmelsstiege in Richtung Rhein. Auf der Höhe von Neuenburg steigen wir in den Rheinradweg ein. Der Schotterweg führt immer am Wasser entlang in Richtung Breisach. Plötzlich herrscht Verkehr. Etliche Trüppchen sind auf dem Radweg unterwegs. Auf der flachen Strecke schaffen wir ohne Mühe 30 Kilometer pro Stunde, doch nach kurzer Zeit vermissen wir die Anstiege.

Kurzentschlossen biegen wir an der Abzweigung "In der Rheinaue" rechts ab in Richtung Hartheim und entdecken am Straßenrand verführerische Beeren zum Selberpflücken. Wir sind am Hardthof der Familie Pfrengle gelandet, die einen wunderbaren Bauernladen führt. Und siehe da, der Fahrradkorb füllt sich schon wieder.

Gut 20 Kilometer liegen noch bis Freiburg vor uns. Die Tour geht langsam in die untrainierten Beine. Von Pfaffenweiler an wird nicht mehr unbedarft auf "High" geschaltet. Diese Einstellung lutscht bei einer Tagestour doch ordentlich am Akku. Und nichts erscheint schlimmer als die Vorstellung, das – mittlerweile ordentlich beladene – Fahrrad durch die Rebberge zu schieben. Also lieber ohne Strom, nur mit Muskelkraft treten. Der Akku reicht.
Auf einen Blick: Genusstour im Markgräflerland

  • Strecke: 78,7 Kilometer
  • Dauer: knapp 6 Stunden
  • Aufstieg: 440 m
  • Abstieg: 446 m
  • Schwierigkeit: leicht bis mittel
  • Geeignet für Tourenrad, Mountainbike, E-Bike
  • Start und Ziel: Basler Tor in Freiburg Geogr. 47.985951 N 7.836119 E UTM 32T 413156 5315394
  • Koordinaten: Die GPS-Daten der Tour stehen auf der Homepage des Hochschwarzwald Tourismus kostenfrei zum Download bereit.
    mehr.bz/genuss-tour
  • Sehenswertes: Stadtbummel in Staufen, St. Cyriak in Sulzburg, Staudengärtnerei Zeppelin in Laufen, Hofladen Pfrengle in Hartheim.
  • Einkehrmöglichkeiten: Im Markgräflerland gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Der "Hirschen" in Sulzburg oder Britzingen, das "Lilien-Café" in der Staudengärtnerei in Laufen.
  • Ausleihmöglichkeiten: Bei zahlreichen Fahrradhändlern können ein E-Bike oder S-Pedelec zum Testen ausgeliehen werden leihen.

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