Hilfszahlungen

Mit Einstellung von Abschlagszahlungen der Corona-Hilfen eine Kollektivstrafe zu verhängen, ist unanständig

Thomas Brugger

Von Thomas Brugger (Lörrach)

Do, 25. März 2021

Leserbriefe

Zu: "Stopp straft die Falschen", Agenturbeitrag (Wirtschaft, 11. März)

Ich bin seit 43 Jahren als Selbstständiger in der Gastronomie tätig und hoffe noch ein paar Jahre länger, wenn wir diese Pandemie gemeinsam überstehen. Allerdings bin ich mir bei diesen ganzen Pleiten, Pannen und Peinlichkeiten, die sich unsere Regierung und Politiker seit über einem Jahr leisten, nicht mehr ganz sicher, ob wir das alle überleben werden.

Jetzt wurden die Corona-Hilfszahlungen nach Betrugsfällen ausgesetzt. Es wundert mich schon, dass dies nach den angekündigten Sicherheitsvorkehrungen überhaupt möglich war. Während der ersten Schließung unseres Betriebs im März 2020 konnten wir den Antrag auf Soforthilfe mit unserer Mitgliedsnummer der IHK und unserer Steuernummer noch selber stellen und haben die Hilfe, wenn auch erst nach ein paar Wochen unbürokratisch auf unser Geschäftskonto überwiesen bekommen. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass Betrüger mit sogenannten Scheinfirmen ebenfalls diese Hilfe in Anspruch genommen haben. Um dies ausschließen zu können, wurde eine IT-Plattform eingerichtet.

Ab dem 25. November 2020 war es dann einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt erst möglich, für seine Mandanten einen Antrag zu stellen. Für die Monate Januar, Februar und März 2021 können wir, wieder nur über einen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt, einen Antrag auf Erstattung von 90 Prozent der Fixkosten stellen. Letzte Woche wurde ich aufgefordert, einen Kontoauszug von meinem Geschäftskonto nachzureichen, um die Angaben zu überprüfen. Jetzt erst hat man festgestellt, dass sich Betrüger als falsche Steuerberater Zugang zum zuständigen Ministerium für die Antragsstellung der Soforthilfe verschafften und so Millionenbeträge auf ihr eigenes Konto umgeleitet haben. Da frage ich mich, ob es nicht einfacher, sicherer und billiger gewesen wäre, wenn wir unsere Anträge unter Angabe unserer Steuernummer beim zuständigen Finanzamt gestellt hätten. Für die Erstattung der Hilfen wäre nach schneller Prüfung eine unbürokratische Überweisung auf das Geschäftskonto möglich gewesen. Jetzt aber mit der Einstellung von Abschlagszahlungen für die Corona-Hilfen eine Kollektivstrafe zu verhängen, ist unanständig. Thomas Brugger, Lörrach