Skilanglauf

Mit Routine und jugendlichem Elan in den WM-Sprint

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 20. Februar 2019 um 21:30 Uhr

Skilanglauf

Skilangläufer Janosch Brugger (21) von der WSG Schluchsee hat am Donnerstag in Seefeld die erste WM-Chance, Sandra Ringwald (28) hofft auf den Sprung ins Sprintfinale.

SKI NORDISCH. Jetzt wird’s ernst: Heute geht es in Seefeld (Österreich) um die ersten Medaillen bei der Nordischen Ski-WM. Gleich zwei Schwarzwälder mischen mit im Skating-Sprint der Langläufer. Mit unterschiedlichen Ausgangspositionen und Ambitionen: Routinier Sandra Ringwald (ST Schonach-Rohrhardsberg) gilt als Kandidatin fürs Finale, für Youngster Janosch Brugger (WSG Schluchsee) wäre es ein Erfolg, den Prolog zu überstehen.

Für den 21-jährigen Lenzkircher ist die Teilnahme an dieser Weltmeisterschaft die "Zugabe". Vor dem Winter benannte Janosch Brugger die U-23-WM als seinen Saisonhöhepunkt. Dort lief es für ihn nicht nach Wunsch, denn anders als bei seiner Premiere 2018 schaffte er im Januar in Lahti (Finnland) keine einstellige Platzierung. Rang zehn im Klassik-Sprint, elf im Skating-Einzelrennen über 15 Kilometer und der 34. Platz im Massenstartrennen über 30 Kilometer klassisch mit verwachsten Ski markierten unterm Strich das erste Tief in der noch jungen Karriere des Hochschwarzwälder Talents.

Es spricht für seinen Biss und für Charakterstärke, dass Janosch Brugger aus dieser Enttäuschung zusätzliche Motivation zieht für seine erste WM bei den "Großen": Die Zugabe "ist jetzt der größte Saisonhöhepunkt", sagt der jüngste Starter aus dem zwölfköpfigen Langlauf-Team des Deutschen Skiverbands (DSV). Jetzt will er halt in Seefeld, inmitten der Weltspitze zeigen, was in ihm steckt, wenn die Bedingungen passen.

Das hat auf höchster Ebene schon einmal geklappt und ihm unverhofft die Qualifikation für die WM eingebracht. Am 2. Dezember war Janosch Brugger zum Abschluss des Lillehammer-Triples im Verfolgungsrennen über 15 Kilometer klassisch vom 45. auf den 17. Platz gestürmt – mit der Tagesbestzeit aller 81 Starter, was ihn zum Weltcup-Sieger machte.

Ein ähnlicher Coup darf in Seefeld nicht erwartet werden vom Neuling. Der junge Lenzkircher ist und bleibt Realist. "Allzu viel nehm’ ich mir nicht vor", sagt er auf die Frage nach seinen Erwartungen. "Top 20 ist immer cool" für ihn in den Einzelrennen, doch "ich will einfach sehen, was drin ist." Für den Sprint hofft er, sich im Prolog als einer der schnellsten 30 fürs Viertelfinale qualifizieren zu können. Im Team-Sprint, der in seiner bevorzugten klassischen Technik ausgetragen wird, ist er zusammen mit dem Bayern Sebastian Eisenlauer, einem Sprintspezialisten, gesetzt. Bei der Generalprobe, dem Weltcup in Lahti, wurde das Duo im Finale Siebter – jetzt können sie "mit einem positiven Gefühl" (Brugger) bei der WM in den Team-Sprint gehen.

Janosch Brugger, der im Zoll-Skiteam in Sonthofen als Profi trainieren kann, liebäugelt auch mit dem Start über 15 Kilometer klassisch. Ob er am kommenden Mittwoch in seiner Paradedisziplin dabei sein wird, entscheiden die Trainer mit ihm am Wochenende. Dabei spielt die aktuelle Form ebenso eine Rolle wie die Resultate der Kollegen zuvor im ersten Distanzrennen, dem Skiathlon. Natürlich würde der Hochschwarzwälder auch gern in der Staffel (1. März) laufen, denn "das ist immer ’was Besonderes".

"Ich seh’ mich jetzt

gar nicht als Favoritin"

Sandra Ringwald zum Sprint
Von der Papierform gehört er ins DSV-Quartett, im Weltcup ist er hinter dem Schwaben Florian Notz und dem Bayern Lucas Bögl aktuell drittbester Deutscher.

Die WM-Strecken, auf denen er seit Sonntag trainiert, findet Janosch Brugger "relativ kräfteraubend und brutal anspruchsvoll". Besonders interessant werde der Sprint: Nach dem ersten Berg will nach seiner Einschätzung keiner zuerst in die Abfahrt, weil jeder den Vorteil aus dem Windschatten heraus nutzen möchte. Deshalb könne es sogar zu "Stehversuchen" kommen. Wie auch immer, Janosch Brugger ist körperlich fit und mental bereit für seinen ultimativen Saisonhöhepunkt: "Ich kann das Ganze beruhigt angehen."

"Ohne Druck" geht Sandra Ringwald nach eigener Aussage in ihre vierte WM. Dass sie am Samstag in Cogne (Italien) zum ersten Mal in ihrer Laufbahn aufs Siegerpodest sprintete, gibt der Schönwälderin – "das war cool" – einen Schub. Vom ersten Weltcup-Sieg trennten sie nur 0,11 Sekunden. Nachdem die Sprint-Spezialistin lange geführt hatte, wurde sie noch von Jessica Diggins (USA) abgefangen. Im Sprint-Weltcup verbesserte sich Ringwald, deren Formkurve nach der früh erreichten WM-Norm lange nach unten gezeigt hatte, mit diesem Erfolg vom 13. auf den siebten Platz.

Doch übertriebenen Erwartungen von außen beugt sie gleich vor: "Ich seh’ mich jetzt gar nicht als Favoritin" für eine Medaille im Sprint. Schließlich weiß sie, dass von den Top Fünf im Sprint-Weltcup vier Athletinnen in Cogne nicht gestartet sind. Noch nicht einmal das Finale der besten Sechs hat sich Sandra Ringwald zum Ziel gesetzt, wie sie sagt. Denn "es kann immer ’was Blödes dazwischenkommen". Sie will einfach "meine Bestleistung zeigen und nachher mit mir zufrieden sein". Außer im Sprint wird sie noch im Team-Sprint und in der Staffel starten, möglicherweise auch im Einzelrennen über zehn Kilometer klassisch. In der Nacht auf Sonntag kam die Freundin von Kombinierer Fabian Rießle direkt von Cogne aus in Seefeld an. Wie etliche DSV-Kollegen empfindet auch Sandra Ringwald, die jahrelang in Sonthofen im Allgäu trainierte, die bevorstehenden Titelkämpfe in Tirol "wie eine Heim-WM, quasi um die Ecke. Hier fühlen wir uns wohl", sagt sie begeistert und freut sich schon auf die sicher "coole Stimmung" mit Beginn der Wettkämpfe in Anwesenheit ihrer Familie. Bei Kaiserwetter war in den vergangenen Trainingstagen "alles super präpariert" und sie fühlt sich "in guter Verfassung". Mit ihren 28 Jahren ist Sandra Ringwald die Älteste und Erfahrenste der sechs deutschen Langläuferinnen – "die Mutti von den jüngeren Girls", sagt sie selbst und lacht ihr sonniges Lachen. Ihre Lust auf die WM und der Spaß daran dürften ansteckend wirken.

Der Zeitplan der Rennen mit Brugger und Ringwald: Donnerstag, 12 Uhr: Qualifikation Skating-Sprint Frauen und Männer; 14.30 Uhr: Finale. Sonntag, 9.15 Uhr: Qualifikation Team-Sprint Frauen und Männer; 11.30 Uhr: Finale. Mittwoch, 27. Februar, 14 Uhr: 15 Kilometer klassisch Männer. Donnerstag, 28. Februar, 13 Uhr: Staffel Frauen.