Mit unkonventionellen Methoden

dpa

Von dpa

Fr, 19. März 2021

Ski Alpin

Die slowakische Alpin-Alleskönnerin Petra Vlhova steht auch wegen des Wetters kurz vor der Krönung.

Petra Vlhova ist so gut wie am Ziel. Nachdem beim alpinen Saisonfinale in Lenzerheide nach den Abfahrten am Mittwoch auch die Super-G-Rennen am Donnerstag wegen Nebels abgesagt wurden, hat die 25 Jahre alte Skirennfahrerin den Gesamtweltcup fast schon sicher. Geschieht kein Wunder mehr, wird sie als erste Slowakin die große Kristallkugel holen – und ihre persönliche Mammutsaison krönen.

Kein einziges Einzelevent hat die Allrounderin in diesem Winter ausgelassen. Nach einem furiosen Saisonstart mit drei Siegen in den ersten vier Rennen schien sie der hohen Belastung im Januar Tribut zu zollen und schwächelte. Doch im Schlussspurt bekam sie die zweite Luft – und beim Showdown in der Schweiz auch Hilfe vom Wettergott. 96 Punkte liegt Vlhova vor der Schweizerin Lara Gut-Behrami. Dass die auf die Speeddisziplinen spezialisierte Weltmeisterin und Gesamtsiegerin im Super-G diesen Rückstand in den beiden ausstehenden Technikrennen noch aufholt, ist unwahrscheinlich. Im Riesenslalom könnte sie noch Punkte gut machen, im Slalom eher nicht. Letztlich wird es Vlhova schon reichen, zweimal sicher ins Ziel zu fahren.

"Unser Ziel ist der Gesamtweltcup, weil das etwas Historisches in der Slowakei wäre", hatte Vlhovas Trainer Livio Magoni vor der WM in Cortina d’Ampezzo betont. Vlhovas Saison war von Anfang an auf diesen Triumph ausgerichtet. Und der Italiener ein entscheidender Faktor auf ihrem Weg an die Spitze. Seit 2016 führt Magoni Vlhova kontinuierlich nach oben – mit akribischer Arbeit und unkonventionellen Methoden.

Mit Schlagzeugspielen etwa soll Vlhova ihre Koordination zwischen Händen und Füßen verbessern, beim Tennis oder Kajakfahren die Bewegungen ihres Oberkörpers beim Skifahren simulieren. Bruder Boris brachte sie zum Motocross-Fahren für die Stärkung des Gleichgewichts, ihre Reaktion schärft sie mit dem Selbstverteidigungskampfsport Krav Maga. Und sie jogge mit angehängtem Fallschirm, erzählte sie einmal.
Nach und nach führte Magoni sie neben ihrer Kerndisziplin Slalom im Laufe der Jahre auch an den Riesentorlauf, die Abfahrt und den Super-G heran. Mit diesem Komplettpaket stach Vlhova nun alle aus – auch die amerikanische Ausnahmeathletin Mikaela Shiffrin, in deren Schatten sie in den vergangenen Wintern immer unterwegs war.

"Es ist bewundernswert, wie sie trotz der großen Umfänge, die sie fährt, und ihrer Verbissenheit die notwendige Lockerheit auf die Piste bringt", lobte der deutsche Frauen-Coach Jürgen Graller.