Modellwechsel als Chance?

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 13. März 2021

Auto & Mobilität

Auslaufmodelle können eine Überlegung wert sein.

Wenn die Autohersteller neue Modelle bringen, gibt’s die alten oft zum Sonderpreis. Lohnt sich ein Blick aufs Bewährte oder ist die neue Generation vielleicht doch das bessere Geschäft?

Was dem Einzelhandel der Schlussverkauf, das ist dem Autohaus der Modellwechsel. Denn so, wie Skipullis und Winterjacken Platz machen müssen für T-Shirts und Bademode, müssen auch die letzten Exemplare eines aktuellen Autos vom Hof, bevor eine neue Fahrzeuggeneration in den Showroom rollt. Für sparsame Autokäufer können das goldene Zeiten sein. Denn um ihren Abverkauf zu fördern, gibt es die letzten Exemplare einer Baureihe oft als Sondermodelle mit besonders üppiger Ausstattung und extra niedrigem Preis, sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research. Und größere Rabatte räumen die Händler in der Regel auch noch ein.

Erleichtert wird die Entscheidung durch die Tatsache, dass technischen Sprünge in einigen, für den Kunden wichtigen Bereichen, bisweilen klein ausfallen, sagt Jan Burgard vom Strategieberater Berylls. Er zieht als Beispiel den VW Golf heran. Der Normverbrauch des Golf VII 1.0 TSI (63 kW/85 PS) lag bei 4,8 Liter, bei einem Basislistenpreis von 19 520 Euro. Der Generationenwechsel hat dem vergleichbar motorisierten Golf VIII 1.0 TSI (66 kW/90 PS) einen Normverbrauch von 4,5 Liter beschert.

Der Kunde sparte mit dem neuen Modell für zunächst mindestens 19 881 Euro also etwa 40 Cent auf 100 Kilometer, rechnet er vor. "Preislich scheinen die Generationen also nah beieinander zu liegen. Allerdings waren kurz vor dem Wechsel zur achten Golfgeneration auf das Auslaufmodell Rabatte bis 7700 Euro zu erzielen, aus rein wirtschaftlicher Sicht war der Kauf der älteren Generation damit offensichtlich die richtige Entscheidung."

Es geht aber nicht nur ums Geld. Oftmals werde die Qualität eines Autos über die Jahre besser, sagt KÜS-Sprecher Hans-Georg Marmit: "Die Produktion hat sich eingespielt und Kinderkrankheiten haben sich ausgewachsen." Gerade bei großen technischen Umstellungen komme es nämlich immer wieder zu Problemen.

Und es muss gar nicht zum Defekt kommen. Für manche Interessenten seien radikale Umstellungen wie beim digitalisierten Bediensystem des VW Golf, das Aus der Saugmotoren in der letzten Generation des Porsche 911 oder der Verzicht zum Beispiel auf Schaltgetriebe oder Sechszylinder Grund genug, noch einmal zum alten Auto zu greifen, sagt Burgard.

Allerdings machen die Experten unisono eine Ausnahme: Elektroautos. "Technologisch noch lange nicht so ausgereizt wie die Verbrenner, bieten sie beim Modellwechsel meist deutliche Fortschritte bei Batteriekapazität, Reichweite, Energieverbrauch oder Schnellladefähigkeit", sagt Dudenhöffer. "Da ist man mit einem Auslaufmodell deshalb eher schlecht beraten, und es ist sinnvoll, sich auf den Nachfolger zu konzentrieren." Außerdem müsse man auch den Restwert beim Wiederverkauf bedenken, der bei Auslaufmodellen natürlich schneller falle als beim Newcomer.

Ein eindeutiger Rat ergibt sich aus all dem nicht. Deshalb versucht sich Jan Burgard mit einem Kompromiss und rät dazu, Autos etwa ein Jahr nach der Markteinführung zu bestellen. "Dann sind die meisten Kinderkrankheiten auskuriert, es sind alle Antriebs- und Ausstattungsvarianten verfügbar, die Hersteller haben noch nicht damit begonnen, einzelne Extras wieder herauszusparen."