Modestadt wird Bühne für Olympia

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Von dpa & Andreas Strepenick

Di, 25. Juni 2019

Olympische Spiele

Mailand setzt sich für die Winterspiele 2026 gegen Stockholm durch / Trumpf der Italiener ist der Rückhalt in der Bevölkerung.

In Mailand werden 2026 die XXV. Olympischen Winterspiele stattfinden. Dies entschied die Session des Internationalen Olympischen Komitees am Montag in Lausanne. Von den 82 stimmberechtigten IOC-Mitgliedern votierten 47 für die Modestadt und 34 für Mitbewerber Stockholm, es gab eine Enthaltung. 20 Jahre nach den Spielen in Turin wird das Sportspektakel auf Eis und Schnee nicht nur erneut nach Italien, sondern in eine klassische Wintersportregion in Europa zurückkehren. Zuletzt waren Vancouver (2010), Sotschi (2014) und Pyeongchang in Südkorea (2018) Gastgeber gewesen, 2022 wird es Peking sein.

Italiens Vize-Premier und Innenminister Matteo Salvini sprach von einem "historischen Tag" und einem "Sieg für alle Italiener. Mit den Winterspielen werden wir der Welt unsere Exzellenz und unsere Fähigkeiten beweisen", so der Chef der rechten Lega.

Mailand war mit Cortina d’Ampezzo angetreten, wo bereits 1956 die Winterspiele ausgetragen wurden. Die Vertreter der Kandidatur gaben sich sehr selbstbewusst. "Es ist eine fantastische Bewerbung. Mailand repräsentiert das Beste in Europa. Es ist eine der besten Städte in der Welt mit Tradition, Mode, Schönheit, gutem Essen und Geschichte", sagte Giovanni Malago, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), ohne jede Bescheidenheit. "Es ist nicht möglich, ein besseres Angebot zu bekommen als das von Mailand und Cortina."

Ausschlaggebend für den IOC-Zuschlag dürfte die 83-prozentige Zustimmung der Italiener gewesen sein und nach zunächst kontroversen Debatten die klare Unterstützung der Politik des Landes. "Wir haben von keiner Seite aus der Gesellschaft Kritik bekommen. Dies ist einmalig, sicher nicht nur in Italien, sondern auch für andere Länder auf der Welt", sagte Coni-Chef Malago.

Freiluftsportarten in Cortina d’Ampezzo

Die Schweden waren bis zuletzt gespalten in der Frage, ob sie Olympia veranstalten sollten. Bei einer IOC-Umfrage waren nur 55 Prozent dafür gewesen.

Der Kandidat Mailand/Cortina d’Ampezzo hatte bereits in dem vor einem Monat veröffentlichten Evaluierungsbericht des IOC tendenziell bessere Noten für sein Konzept erhalten. Das Budget liegt bei 1,4 Milliarden Euro. Geplant sind die Spiele vom 6. bis 22. Februar 2026, es folgen danach die Paralympics. Die Eröffnungsfeier soll im legendären San-Siro-Stadion von Mailand und die Schlusszeremonie im römischen Amphitheater von Verona stattfinden. In Mailand gibt es Überlegungen, das San Siro abzureißen und neu zu bauen. Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala erklärte indes, es werde kein neues Stadion vor 2026 geben.

In Mailand werden die Hallensportarten Eishockey, Eiskunstlauf, Shorttrack und Eisschnelllauf zu sehen sein. Im Austragungsort Valtellina befinden sich die Pisten für Ski alpin der Männer, Freestyle-Ski und Snowboard. Vor der Dolomiten-Kulisse von Cortina werden im Ski alpin der Frauen, Bob, Rodeln, Skeleton, Curling und Biathlon um Medaillen gekämpft. Ski nordisch und Skispringen werden im Fleimstal stattfinden.

Allerdings sind der Transport zwischen den Veranstaltungen in Mailand und den 400 Kilometer entfernten Sportstätten in den Bergen eine Schwachstelle. Kritisiert wird auch, dass Ski alpin für Männer und Frauen an getrennten Orten stattfinden soll, was zu höheren Kosten und logistischen Schwierigkeiten führen könnte.

Trotz der Unterstützung von Kronprinzessin Victoria und Ministerpräsident Stefan Löfven bei der Session fand Stockholm mit Are und einem nachhaltigen Olympia-Plan im Land der jungen Umweltaktivistin Greta Thunberg keine Mehrheit im IOC. 1912 hatte Stockholm die Sommerspiele ausgetragen, 1956 die olympischen Reitwettbewerbe – Winterspiele wären eine Premiere gewesen.

Ursprünglich hatten gleich sieben Städte geplant, sich für die Spiele des Jahres 2026 zu bewerben. Fünf von ihnen machten aber einen Rückzieher – aus zum Teil unterschiedlichen Gründen. Im kanadischen Calgary votierten bei einer Bürgerbefragung 56,4 Prozent mit "Nein", die Stadt zog ihre Bewerbung zurück. Im österreichischen Graz zogen die Aspiranten die Notbremse mit der Begründung, die steirische Landesregierung unterstütze sie zu wenig. Im schweizerischen Kanton Wallis versagten 53 Prozent der Bevölkerung den Organisatoren rund um die Stadt Sion die finanzielle Unterstützung. Die Städte Sapporo in Japan und Erzurum in der Türkei hatten im Frühjahr 2018 zwar angekündigt, sie wollten ins Rennen gehen. Beide gaben dann aber keine Bewerbung ab.