Momentan bliebe nur Rangnick

dpa

Von dpa

Mi, 10. März 2021

Nationalmannschaft

Jürgen Klopp und Hansi Flick scheiden als Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw wohl aus.

(hell/dpa). Mit der Ankündigung Joachim Löws, den Posten des deutschen Fußball-Nationaltrainers nach der EM im Sommer abzugeben, begannen sogleich die Spekulationen über die Nachfolge des 61-Jährigen.

Der intern geschätzte U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz hat allenfalls Außenseiterchancen. Experten sprechen ihm das Format ab, für eine A-Nationalmannschaft verantwortlich zu zeichnen, die ungleich mehr im Fokus der Medien steht als eine Nachwuchs-Auswahl. Anbieten würde sich zuerst Hans-Dieter "Hansi" Flick, ehemaliger Löw-Assistent. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat bereits gesagt, es wäre verrückt, den Erfolgstrainer des FC Bayern München auszuschließen, aber der Branchenprimus wird ihn kaum hergeben. Und Flick wird genau abwägen, welches Personal ihm perspektivisch beim Verein und Nationalteam zur Verfügung steht.

Jürgen Klopp erteilte sofort eine Absage. "Jogi hat einen großartigen Job gemacht, er ist der beste Coach, den wir jemals hatten. Ich werde im oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen", sagte der Meistermacher vom FC Liverpool.

Daher könnte alles auf einen anderen Schwaben hinauslaufen: Ralf Rangnick, derzeit ohne Job. Der Baumeister der Projekte bei der TSG Hoffenheim und RB Leipzig ist ohne Frage hochgradig interessiert, würde das Jobprofil aber gerne viel umfassender interpretieren. Bei Nachwuchsarbeit, Trainerausbildung und Langzeitkonzepten würde der 62-Jährige sofort mitreden wollen – das sind Schnittstellen in Bierhoffs Bereich. Deshalb muss der DFB-Direktor Nationalteams und Akademie ausloten, ob er solche Einmischung duldet, die bestimmt nicht zum Schaden des deutschen Fußballs wäre.

Rangnick, der oft den Beinamen "Fußball-Professor" zu hören bekommt, ist allerdings keiner, der viele Kompromisse macht. Kraftproben mit der Liga würden unweigerlich kommen. Die Kardinalfrage ist, ob sich der Verband einen umkrempelnden Reformer wie einst Jürgen Klinsmann leistet. Wenn ja, würde wohl ein Anruf bei Rangnick genügen, um die Löw-Nachfolge zu klären.

Derweil überschlugen sich Fußball-Funktionäre in ihrem Lob für Löw. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von Bayern München, sagte: "Joachim Löw hat eine enorm erfolgreiche Ära des deutschen Fußballs geprägt, mit dem Gewinn der WM 2014 in Brasilien als Höhepunkt. Der DFB ist ihm zu großem Dank verpflichtet." Julian Nagelsmann, Trainer von RB Leipzig, sprach von einer "traurigen Nachricht" – und ergänzte: "Joachim Löw hat einen großen Impact auf den deutschen Fußball, hat eine Epoche geprägt mit Titeln und einer Entwicklung. Er hat in wichtigen Momenten richtige Entscheidungen getroffen, die nicht einfach waren. Die EM wird hoffentlich ein glorreicher Abschluss. Ich bin gespannt, was er macht." Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, kam zu dem Schluss: "Ich sage nur eins: Top, was er geleistet hat. Riesen Typ, riesen Erfolg. Jeder Trainer kann nur lernen von ihm."

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte: "Irgendwann muss man aufhören. So ist das im Leben. Joachim Löw hat sich sehr große Verdienste um den deutschen Fußball erworben – auch wenn man sich manchmal mehr erhofft hätte. Es klappt nicht immer alles, aber meistens."