Morath auf Rang vier, Stiebjahn Fünfter

Lynn Siegel und Jürgen Ruoff

Von Lynn Siegel & Jürgen Ruoff

Mo, 13. Juli 2020

Mountainbike

Die Schwarzwälder überzeugen beim Mountainbike-Etappenrennen Engadin Bike Giro / Julian Schelb aus dem Münstertal kurbelt bei den Männern auf Rang drei.

. Bei der Drei-Etappenfahrt Engadin Bike Giro in der Schweiz haben die Mountainbiker aus dem Schwarzwald hervorragend abgeschnitten. Julian Schelb (Stop&Go Marderabwehr) aus dem Münstertal hat nach den Etappenrängen sechs, vier und fünf beim ersten MTB-Großevent nach Corona den dritten Platz hinter den Schweizern Simon Vitzthum und Lukas Flückiger belegt. Der Hochschwarzwälder Simon Stiebjahn (Team Bulls) erreichte sein Ziel "top five" und wurde Fünfter. Bei den Frauen kam Adelheid Morath (Trek-Team) auf Rang vier.

Schutzmasken während der Startaufstellung und keine Siegerehrung – das erste MTB-Etappenrennen nach der langen Pause stand im Zeichen von Corona. Im schweizerischen St. Moritz trafen sich von Freitag bis Sonntag die Mountainbiker zu ihrem zweiten Saisonstart – nach drei Monaten Zwangsstopp. Julian Schelb aus dem Münstertal zeigte konstant gute Leistungen, die ihm den dritten Platz in der Gesamtwertung einbrachten. Auf den beiden langen Etappen über rund 70 Kilometer und 2500 Höhenmeter fand Schelb in dem Schweizer Thomas Litscher einen guten Partner. "Wir haben super zusammengearbeitet und unser Ding gemacht." In den Tageswertungen war Schelb zwar nie unter den ersten drei zu finden, durch seine konstant guten Leistungen rückte Schelb in der Gesamtwertung jedoch stetig nach vorne.

Eigentlich wollte der gelernte Zimmermann in diesem Jahr die Weltcupsaison im Cross-Country in Angriff nehmen – zum ersten Mal wieder seit Jahren. Doch dann machte ihm die Pandemie einen Strich durch die Rechnung: Fast alle Weltcuprennen und die Heim-WM in Albstadt wurden abgesagt. Statt nun, wie viele Konkurrenten, mehr Zeit fürs Training zu haben, erhöhte Schelb sein Arbeitspensum von 60 auf 80 Prozent. Damit habe er kein Problem, sagt der 28-Jährige. "Wenn am Wochenende keine Rennen sind, kann ich auch mehr arbeiten." Seine Leistungen im Engadin sind auch vor diesem Hintergrund erstaunlich, denn er ließ den einen oder anderen Vollprofi hinter sich.

Da der Engadin Bike Giro, der von den Sauser-Brüdern aus Villingen-Schwenningen veranstaltet wird, das erste große MTB-Rennen nach der Corona-Pause war, tauchten in der Teilnehmerliste durchaus prominente Namen auf: Simon Geschke, Tour-de-France-Etappengewinner aus Freiburg, Heinrich Haussler, ebenfalls Rennradprofi und auch viele Marathonspezialisten aus Belgien und Österreich waren gemeldet. Dementsprechend war das Tempo von Anfang an hoch und es wurden früh Attacken lanciert. Vorjahressieger Sascha Weber erlebte drei turbulente Tage. Nachdem der Freiburger vom Team Maloja Rocky Mountain auf der ersten Etappe Pech mit Defekten hatte, konnte er sich am Samstag den Tagessieg vor Gesamtsieger Simon Vitzthum sichern. Auf der dritten Etappe stieg er aus.

Stiebjahn: "Für ganz vorne reicht es noch nicht"

Simon Stiebjahn vom Team Bulls ist zufrieden mit seinem fünften Gesamtrang. Der Langenordnacher fand das Tempo auf der ersten Etappe über 36,1 Kilometer (13336 Höhenmeter) extrem hoch: "Erst dachte ich, du bist wohl doch nicht so gute vorbereitet, aber im weiteren Verlauf hat es sich dann doch wieder relativiert." Auf den folgenden Etappen arbeitete er eng mit seinen Bulls-Teamkameraden Simon Schneller und Martin Frey zusammen, doch für eine Top-drei-Platzierung reichte es dennoch nicht. "Wir gehören momentan noch nicht zu den Besten. Für ganz vorne reicht es noch nicht", sagte der 30-jährige Schwarzwälder, "aber das ist okay. Wir sind ja noch ganz am Anfang der Saison."

Zufrieden mit ihrem Abschneiden in der Schweiz ist auch Adelheid Morath. Sie entschied sich kurzfristig für einen Start, nachdem sie sich in den vergangenen Wochen auf ihr Studium (Ernährungswissenschaft) konzentriert und sich nicht spezifisch auf das Rennen in der Höhe vorbereitete hatte. 30 Minuten hinter Siegerin Alessandra Keller beendete Morath den Bike Giro als Gesamtvierte. "Ich gehe mit einem Lachen nach Hause. Der Anstieg heute war technisch anspruchsvoll, aber dafür wurden wir mit einem traumhaften Panorama und flowigen Trails belohnt", sagte sie als Vierte im Ziel der dritten Etappe. Die erste Etappe hatte sie als Achte beendet, tags darauf war sie im Regen Vierte geworden: "Auf der zweiten Etappe lief es bei mir zehnmal besser als am Tag davor. Die Downhills bei Nässe haben mir echt Spaß gemacht", sagte die St. Märgenerin.

Georg Egger vom Lexware Mountainbike-Team erging es ähnlich. Wie Morath entschied auch er sich spontan für einen Start und verzichtete deshalb auf ein spezielles Training für die langen Marathonetappen. Mit dem Gesamtrang 13 zeigte sich Cross-Country-Spezialist Egger zufrieden. Sein bestes Tagesergebnis hatte er mit Rang fünf auf der ersten Etappe eingefahren.

Dass Corona nicht nur die prominente Startliste beeinflusste, sondern auch das Niveau, davon ist der Breitnauer Matthias Bettinger überzeugt. "Meine Werte sind nicht schlechter als die letzten Jahre", sagte er. "Doch wenn man hier unter die Top 40 fahren will, ist das schon schwer." Nach einem gefühlt guten Start ins Rennen hatte Bettinger auf der zweiten Etappe zu kämpfen und wurde nur 55. Am Sonntag verbesserte er sich noch auf Gesamtrang 44 vor Niklas Grobert und Simon Gutmann, die beide für das Breitnauer B&W Bike Cases Merida-Team starten. "Ich hoffe, wir dürfen weiter Rennen fahren", sagte Bettinger, "so wie es derzeit aussieht, klappt der Rothaus Bike Giro im Schwarzwald. Da freue ich mich drauf."