Eishockey

Motiviert in der Warteschleife: So läuft der Corona-Sommer für den EHC Freiburg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 16. August 2020 um 16:35 Uhr

EHC Freiburg

Die Ungewissheit im Profi-Eishockey ist groß – auch für Spieler und Trainer des Zweitligisten EHC Freiburg. Doch was hat die Corona-Pandemie mit der Garage von Simon Danner zu tun?

Dass seit Corona alles anders ist, hört man derzeit ja überall. Doch im Fall von Simon Danners Garage stimmt es wirklich. "Ich habe sie relativ früh komplett leer geräumt und mit neuen Geräten gefüllt. Jetzt habe ich hier mein eigenes Fitnessstudio", sagt der Eishockeyspieler.

Not macht schließlich erfinderisch. Und so konnte der 33-jährige Flügelspieler des DEL-2-Clubs EHC Freiburg auch die Zeit der Kontaktbeschränkungen in gutem Fitnesszustand überstehen. In seiner Denzlinger Garage hat Danner den Herausforderungen des Lockdowns getrotzt. "Ich bin fast fitter als in den vergangenen Jahren", sagt er.

Unbeantwortet sind derzeit viele Fragen

Am späten Dienstagabend ist der langjährige Erstliga-Profi und ehemalige Nationalspieler mit seinem Hund unterwegs. Anfang des Jahres war Danner der Transfercoup beim DEL-2-Überraschungsteam der abgelaufenen Runde. Einst hatte der Breisgauer beim EHC das Spiel mit dem Puck erlernt. Die Zeit bei den Wölfen legte den Grundstein für eine illustre Karriere, die Danner über ein Jahrzehnt lang ins Oberhaus des deutschen Eishockeys führte – der Flügelflitzer kurvte für Frankfurt, Augsburg, Wolfsburg und Düsseldorf. Als es aber zuletzt in Schwenningen nicht mehr ganz so gut lief, entschloss er sich im Januar, sich seinem Heimatverein anzuschließen.

Das alles war aber, bevor eine Pandemie den Globus erschütterte. Seitdem ist die Ungewissheit groß. Wann die kommende Saison startet, ist weiterhin offen – angedacht ist nach einer erneuten Verlegung der November. Ungeklärt ist zudem, wann es für die Freiburger Profis – und auch den Nachwuchs – wieder aufs Eis geht. "Allein der erste Monat Eismachen kostet 22.000 Euro", sagt Wölfe-Vorsitzender Werner Karlin.

Auch die Frage nach den Zuschauern ist noch ungeklärt. Wie viele und unter welchen Bedingungen dürfen Fans in die Echte-Helden-Arena – für Karlin gibt es momentan viele Fragen. Im Grunde aber sind ihm die Hände gebunden: Die großen Entscheidungen müssen Landes- und Bundesregierung treffen.

Coach Russell sitzt in England auf gepackten Koffern

Sprung in den Norden. Im Südwesten Englands sitzt Peter Russell auf gepackten Koffern. In seiner britischen Heimatstadt Swindon plant der EHC-Chefcoach seine Rückkehr nach Freiburg. "Stand jetzt fliege ich am Montag", sagte Russel in der vergangenen Woche – allerdings noch bevor die Verlegung des Saisonstarts bekannt wurde. Russell erzählt: "Das war die ruhigste Off-Season meiner Karriere."

"Wir sind jetzt die Gejagten, jeder will gegen uns performen." Peter Russell
Seine Karriere begann einst in Ayr, einer kleiner Stadt vor Glasgow, die für ihre Eishockey-Passion bekannt ist. "Selberspielen hat mir nie Spaß gemacht", sagt Russell schmunzelnd, der bereits mit 24 Jahren nach einigen Zweitliga-Saisons seine aktive Karriere beendete. Als Trainer aber schlug er ein. Innerhalb kürzester Zeit erreichte er als Trainer der englischen Nationalmannschaft internationales Renommee. Erfolgreicher war im Vereinten Königreich bisher kein Eishockey-Coach – auf Junioren- und Seniorenniveau gewann Russell elf Medaillen, sechs goldene waren dabei.

In Freiburg war das nicht anders. Den Fast-Absteiger baute der 46-Jährige zum Topteam um. Als das Coronavirus die Saison beendete, stand der EHC auf dem dritten Platz. Und fürs kommende Jahr ist Russell guter Dinge: "Wir wollen die gleiche Intensität aufs Eis bringen", sagt Russell, warnt aber: "Wir sind jetzt die Gejagten, jeder will gegen uns performen."

Simon Danner, einer seiner erfahrensten Spieler und gestählt durch seine Garagen-Fitnessstudio, pflichtet ihm bei: "Ich traue uns viel zu. Das Gute aber ist, wir haben gar keinen Druck."

Vier Neuzugänge stehen fest

Kadertechnisch ist ohnehin lang alles in trockenen Tüchern: Ein flottes Quartett ergänzt den Kader der Breisgauer. Der 18-jährige Luis Ludin spielt künftig offensiv, der 24-jährige Hagen Kaisler wechselt vom DEL-2-Konkurrenten Crimmitschau in den Breisgau. Und von den Tölzer Löwen kommt das 22-jährige Talent Christoph Kiefersauer. Zudem laufen Gespräche über potentielle Leihspieler mit Schwenningen. Die Verpflichtung von Jordan George wird vereinsintern als echter Coup gefeiert. Der 29-Jährige wechselt aus der Lausitz an die Dreisam. Mit 30 Toren und 29 Vorlagen war er bei den Lausitzer Füchsen in der abgelaufenen Saison zweitbester Punktesammler des Teams.

Wie das alles auf dem Eis zusammenkommt? "Da müssen wir abwarten", so Russell. Er hat derzeit viel banalere Ziele: dass er morgen nach Deutschland fliegen darf. Russell sagt: "Wir alle brennen darauf, dass es losgeht."