Podest statt Crash für Hagin

uwo, bz

Von Uwe Rogowski & BZ-Redaktion

Fr, 13. Dezember 2019

Motorsport

Der Wittlinger Rennbootfahrer wird Dritter in Abu Dhabi und Fünfter der WM-Wertung / Teamwechsel für die nächste WM steht bevor.

ABU DHABI (uwo/BZ). Es war eine Saison wie ein Wellental für Stefan Hagin in der Power-Boat-Formel 2. Materialprobleme bremsten den Wittlinger wiederholt aus. Die Saison hat er aber doch auf einem versöhnlichen fünften Platz in der WM-Wertung beendet.

Mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde rast er über das Wasser. Hagin gehört zu den besten seiner Klasse. Ohne den technischen Defekt in Kaunas, Litauen, und den "unverschuldeten Crash" beim vierten Weltmeisterschafts-Lauf in Ribadouro, Portugal, hätte es in dieser Saison "sicher zum Vizeweltmeistertitel gereicht", sagt er. Gegen Rashed al Qemzi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der die WM über fünf Läufe locker gewann, sei – zumindest in diesem Jahr – kein Kraut gewachsen gewesen. Doch Hagin habe sich in allen Rennen fahrerisch auf einem guten Level präsentiert. Nur einmal musste sich al Qemzi geschlagen geben: Im August beim Grand Prix of Norway in Tonsberg. Der Sieger damals: Stefan Hagin und sein Rowe-Powerboat-Team. Hauchdünn hatte der Wittlinger (36:27,43) den WM-Favoriten (36:28,74) nach 45 Runden hinter sich gehalten. Für das kommende Jahr will der 30-Jährige nun endlich ganz vorne reinfahren.

Al Qemzi sei "nicht unschlagbar, wir müssen einfach schauen, dass wir weniger Ausfälle haben, dann ist etwas drin für uns", sagt Hagin, der letztlich nur zweimal in die Punkteränge kam, die WM-Wertung aber trotzdem mit 32 Zählern auf Platz fünf abgeschlossen hat. Nur zwei Punkte fehlten ihm auf den Schweden Ola Petterson auf Platz drei, für den lediglich ein vorzeitiges Rennende notiert ist. "Ich hätte schon jetzt ganz vorne mitfahren können, doch meine Ausfälle haben mich zurückgeworfen." Dass es eine versöhnliche WM wurde, lag an seinem Abschneiden beim letzten Lauf in Abu Dhabi, Emirate. Die Saison war schon abgehakt, Hagins arg lädierter Katamaran wurde in der Werkstatt des Herstellers auf Vordermann gebracht und dadurch sei der Zeitpunkt der Verschiffung von Europa an den Persischen Golf verpasst worden. Dank Vitamin B konnte Hagin aber das Rennboot des US-Amerikaners Brent Dillard fahren, der erkrankt und in der WM-Wertung weit hinten platziert war.

So kam Hagin, der in Eimeldingen in einer Werkzeugbaufirma arbeitet und für gewöhnlich einen Molgaard-Katamaran fährt, zu seiner Premiere in einem DAC-Boot. Vielleicht in die Top Zehn zu kommen, habe die Teamleitung aufgrund des ungewohnten Wasserfahrzeugs vorsichtig gehofft, so Hagin, doch schon in der Qualifikation war er vorne dabei.

Den Grand Prix in Abu Dhabi beendete er "nach 45-minütigem Dauerfight" mit Edgaras Riabko auf Platz vier, später wurde der Litauer aber disqualifiziert: wegen technischen Dopings. Bei der abschließenden Kontrolle im Parc fermé wurden am Motor des drittplatzierten Bootes unerlaubte, leistungssteigernde Veränderungen festgestellt, weshalb die Disqualifikation folgte. Wenn auch verspätet, landete Hagin als Dritter damit zum zweiten Mal in dieser Rennsaison auf dem Podest.

In den nächsten Wochen stehen keine Rennen an, erst Mitte Januar ist der Wittlinger wieder in Sachen Powerboat unterwegs. Sein Plan für 2020 steht: Mit seinem vertrauten Rennstall fährt er die Europameisterschaft, sowie die italienische und deutsche Meisterschaft. "Die Weltmeisterschaft fahre ich aber vermutlich mit einem anderen Team", sagt Hagin. Sein WM-Traum treibt ihn an.