Ganz neue Töne

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Mo, 03. Juni 2019

Müllheim

Bezirkschorfest des Evangelischen Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald in der Müllheimer Stadtkirche.

MÜLLHEIM. Münder auf für neue Lieder! hieß unlängst die Devise in der Stadtkirche Müllheim. Denn Altbekanntes konnte man dieses Mal kaum entdecken im Programm des durchweg musikalisch gestalteten Festgottesdienstes zum Bezirkschorfest, dafür viel Neues, unerhört Eingängiges, auch Festliches, zur modernen musikalischen Gestaltung eines Gottesdienstes.

Alle gesungenen Lieder stammten aus dem neuen Anhang zum badischen evangelischen Gesangbuch, in dem vor allem Kompositionen aus jüngerer Zeit zu finden sind. Für die beiden leitenden Kantoren Susanne Konnerth und Horst Nonnenmacher, unterstützt von Beata Veres-Nonnenmacher an der Orgel, war es ein Leichtes, die rund 130 versierten Chorsängerinnen und -sänger aus den einzelnen Kantoreien zu einem stimmigen Ganzen zusammenzuführen. Immer wieder wurde auch die an diesem Sonntag deutlich vergrößerte Gemeinde in den mehrstimmigen Gesang eingebunden, etwa in der wunderschönen neuen Version von Luthers Kirchenlied "Verleih uns Frieden". Die musikalische Begleitung übernahm ein Streichensemble mit Anne Vollmer als Konzertmeisterin sowie der Bläserkreis Müllheim-Badenweiler unter Leitung von Karoline Stängle.

Wer aus diesem besonderen Anlass in die Kirche gefunden hatte, während draußen noch letzte Vorbereitungen getroffen wurden für das Unterstadtfest am gleichen Tag und sich vor den Wahllokalen die ersten Schlangen bildeten, konnte einen facettenreichen Einblick in die musikalische Arbeit im Kirchenbezirk gewinnen. Im lebendigen Wechsel zwischen Chorsängern und Gemeinde wurde deutlich, wie Musik die Menschen in gemeinsamem Tun zusammenbringen kann. Aus Bötzingen, Bad Krozingen, Heitersheim, Badenweiler, Auggen, Müllheim, seinen Ortsteilen und vielen weiteren Orten hatten sich Chorsänger eingefunden, um zusammen zu singen und anschließend im Gemeindehaus zu feiern.

Die Vielzahl kirchlicher Chöre im Kirchenbezirk ist der wichtigen Rolle geschuldet, die die Musik im evangelischen Gottesdienst spielt. Gotteslob, Gebet, Dank, aber auch die Verkündigung des Evangeliums finden sich hier immer wieder auch in musikalischer Form. Über die Jahrhunderte hat dies zahlreiche Komponisten zu großen Werken inspiriert, von Johann Sebastian Bach bis in die heutige Zeit. Das "Festliche Halleluja" und das Gloria aus der Messe in G-Dur für Gemeinde, Chor, Orgel, Bläser und Streicher von Christopher Tambling zeigten die außerordentliche Wirkung festlicher kirchenmusikalischer Kompositionen auch aus jüngerer Zeit. Passend zu diesem fünften Sonntag nach Ostern, der in der evangelischen Kirche den Namen Rogate (betet) trägt, nahmen sowohl die Predigt von Dekan Rainer Heimburger als auch einige der ausgewählten Lieder Bezug auf die im Gebet angestrebte Zwiesprache mit Gott. Jeder bete anders, doch bei allen hinterlasse das Gebet Spuren, "es macht etwas mit einem", ermunterte der Dekan die Gemeinde zum Gebet.

An andere Menschen denken Christen in den Fürbitten. An diesem Sonntag waren sie ganz besonders jenen gewidmet, die sich an diesem Sonntag als Kandidaten für die verschiedenen Wahlen aufgestellt haben, und am Ende des Tages entweder als Gewinner oder als Verlierer dastehen würden, sowie denen, die politische Verantwortung tragen. Einen besonderen Akzent zum Abschluss setzte Karoline Stängle am Ende des Gottesdienstes mit den Canzoni für Bassposaune solo von Girolamo Frescobaldi (1583-1643), begleitet von Susanne Konnerth am Orgelpositiv.

Nach dem Gottesdienst ging das Chorfest im Freien weiter, wo zum offenen Mitsingen einiger bekannter Lieder eingeladen wurde. Begleitet wurde der so entstandene Ad-hoc-Chor vom Bläserkreis, der sich zum Schutz vor zu viel Sonne unter den großen Kastanien auf dem Platz vor dem Gemeindehaus aufgestellt hatte. Viele Gottesdienstbesucher nahmen das Angebot gern an, und wurden so vorübergehend Teil einer fröhlichen, ortsübergreifenden Chorbewegung, die so ein Bezirkschortreffen immer auch ist.