Graumausig, aber chancenreich

MÜNSTERECK: Das neue Jahr hat’s gut!

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 31. Dezember 2020

Kolumnen (Sonstige)

Mehr Einigkeit war selten: Alle verwünschen dieses glanzlos zur Neige gehende Jahr. "2020" hätte fast das Zeug, als Synonym für "missraten" anzutreten: Freundinnen, Nachbarn, alle schimpfen auf 2020. Und ganz augenscheinlich freuen sich viele schon seit Tagen, dass 2020 sozusagen gleich erledigt ist. Vorbei. Überstanden. Auf tritt: 2021. Zugegeben auch etwas glanzlos. So bescheiden und niedrigschwellig hat lange kein Jahr mehr loslegen müssen. Aber das hat Vorteile. 2021 kommt ganz schlicht nach Freiburg, ohne die Gloriole der 900-jährigen alten Dame. Und es ist im denkbar günstigsten Moment am Start. Denn dieses kommende, nagelneue Jahr müsste sich schon ziemlich dämlich anstellen, um uns zu enttäuschen. Es muss eigentlich gar nicht viel können, um uns sogar regelrecht zu begeistern: Das sind doch die bestmöglichen Voraussetzungen für so ein Jahr, wenn der Vorgänger dermaßen einhellig ungeliebt von dannen zieht. Ein bisschen was von den verpassten Festen dürfte 2021 noch im Schlepp haben, auch die Chance auf manche Verbesserung hat es im Gepäck. 2021 müsste gar nichts Besonderes können, es müsste einfach nur ziemlich durchschnittlich sein, und es würde sich uns einprägen als das schöne Jahr nach 2020. Also vorausgesetzt, dem etwas graumausigen neuen Jahr wird nun nicht alles an Erwartung aufgepackt, was 2020 verpeilt hat. Lassen wir ihm Zeit, sich in seine Rolle zu finden. Dann hat’s nicht nur das neue Jahr gut, sondern wir möglicherweise auch!