Phänomenales Freiburg

MÜNSTERECK: Schrotträder überall

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 07. November 2020

Kolumnen (Sonstige)

Keine Ahnung, ob es ein spezifisches Freiburger Phänomen ist, aber in Freiburg taucht es jedenfalls auf. Seit wir an dieser Stelle über ein abgeschlossenes Rad berichtet haben, das seit mehr als einem Jahr an einem Baum in der Wiehre lehnt, fallen uns – und unseren Lesern – immer neue Fahrräder auf, die irgendwo stehen, lehnen, liegen, rotten, und zwar monate-, wenn nicht gar jahrelang. Erkennen kann man sie an platten Reifen, durch Speichen und Rahmen gewachsene Gräser, an rostigen Schlössern. Und sie sind überall. Sie gruppieren sich im Trio um eine Litfaßsäule an der Sudetenstraße, stehen genau gegenüber an einem Verkehrsschild, blockieren seit der Renovierung der Höllentalbahn Platz am Littenweiler Bahnhof, lehnen am Stellwerkhäuschen am Ebneter Weg. Sie okkupieren freie Plätze an Radbügeln in der Innenstadt, zum Beispiel dieses blöde, halb umgesunkene silberne Rennrad mit fast abgerissenem Lenker vor dem Martinstor. Verlassene Schrotträder kann man ja der Stadtverwaltung per Mail melden – am besten mit Foto und genauem Standort –, doch es ist wie in einem Zaubertrick: Kaum haben die Müllwerker ein Rostrad verschwinden lassen, Simsalabim taucht das nächste Exemplar an genau der gleichen Stelle wieder auf. Wo ist David Copperfield, wenn man ihn mal braucht?